Kommentar: Verstimmte Trompeten

Von Jürgen Liminski

Der Krieg findet nicht statt – vorläufig jedenfalls. Zwar üben sich die potenziellen Gegner Iran, Europa, Israel in den diversen Eskalationsstufen. Das geht vom Diplomatengeschubse zwischen Briten und Persern bis zu den Trompetenstößen des israelischen Militärministers Barak vor den Mauern von Teheran. Aber die Trompeten sind verstimmt, die Grundlage für einen Angriff in allernächster Zeit ist entfallen, das Regime der Mullahs wird bis auf weiteres keine Atombombe herstellen können. Vielleicht war, angesichts dieser Erkenntnis, der Angriff „iranischer Studenten“ auf die britische Botschaft in Teheran auch nur ein Ausbruch der Wut oder Verzweiflung. Rational zu erklären ist er nicht.

Ganz rational sind dagegen zwei Fakten: Vor vierzehn Tagen flog die Raketenbasis Modarres in der Nähe von Teheran in die Luft und brannte aus. Dabei kam auch der General ums Leben, der für den Einsatz der Mittelstreckenraketen zuständig war. Diese Raketen hätten mit der Atomwaffe bestückt werden können. Ohne die Raketen bleibt diese Waffe am Boden. Und dass deren Vollendung auch noch deutlich hinausgeschoben wird, dafür sorgte ein zweiter Sabotageakt in der Nähe von Isfahan. Dort ist die einzige Fabrik, die Uranerz zu Urangas transformiert, was für die Anreicherung durch Zentrifugen notwendig ist. Die Fabrik und die Reserven an Urangas flogen in die Luft. Damit ist der Anreicherungsprozess erstmal gestoppt. Experten schätzen, dass ein Wiederaufbau mindestens acht Monate dauern würde, sofern die Mullahs das entsprechende Material bekämen, was bei den Sanktionsmaßnahmen aber auch schwieriger geworden ist. Durch die Sabotageakte wurde genug Zeit gewonnen, um Sanktionen wirksam werden zu lassen. Man darf also mit Fug vermuten, dass Israel die Kommandos Richtung Teheran und Isfahan geschickt hat, was ja nicht einer gewissen Logik oder Plausibilität entbehrt. Wie immer, das Säbelrasseln in London, Teheran, Jerusalem und Brüssel ist so laut, dass man es nicht fürchten braucht. Es übertönt die Sachlage. Und die heißt: Da ist kein Krieg.

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