Kommentar: TV-Sendung schreddert Ehe

Foto: DT | Markus Reder.
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Soll man oder soll man nicht? Soll man diesem Irrsinn überhaupt Aufmerksamkeit widmen? Wäre nicht totschweigen die richtige Antwort auf TV-Trash-Formate, die davon leben, mit gezieltem Tabu-Bruch Öffentlichkeit zu erzeugen und so die Quote hochzuschrauben. Ja, totschweigen wäre klug, nur leider funktioniert das nicht, weil über die neue Kuppelshow von Sat.1 längst geredet wird. In Schulen, Büros und natürlich in den Medien. Nach abgehalfterten C-Promis im Dschungel oder in Wohncontainern, nach Nackten, die sich an Stränden vor Fernsehpublikum auf Partnersuche machten, haben sich die Kreativdirektoren der Verblödungsindustrie nun etwas Neues einfallen lassen: Eine Kuppelshow. Hatten wir da nicht schon alles? Weit gefehlt, denn es gilt der alte TV-Grundsatz: Dümmer geht immer! Damit haben es die Programmverantwortlichen von Sat. 1 diesmal besonders genau genommen. Herausgekommen ist die Sendung „Hochzeit auf den ersten Blick“. Die Show heißt nicht nur so, es geht auch genau darum. Heiratswillige treffen sich auf dem Standesamt und geben einer unbekannten Person das Ja-Wort. Ernsthaftigkeit, Freiheit, sich kennen- und lieben lernen? Fehlanzeige! Stattdessen suchen sogenannte Wissenschaftler für die Singles den „perfekten Partner“ aus. Auf dem Standesamt treffen die beiden dann zum ersten Mal aufeinander und heiraten.

Die Ehe ist das Fundament der Gesellschaft. Das war mal gesellschaftlicher Konsens. Inzwischen ist aus der Ehe ein TV-Spaß geworden. Auf „Hochzeit auf den ersten Blick“ folgt wahrscheinlich demnächst die Sendung „Scheidung nach 24 Stunden“. Experten suchen dann die besten Anwälte aus. Eines lehrt dieser TV-Flachsinn aber vielleicht doch: Je deformierter die gesellschaftlichen Vorstellungen von Ehe, umso wichtiger, dass die Kirche ihr Ideal hochhält. Ein Ideal, das offensichtlich mit säkularen Vorstellungen immer weniger zu tun hat. Dass junge Menschen, die sich auf eine katholische Ehe vorbereiten, intensiv auf diesen alternativen Lebensentwurf vorbereitet werden müssen, brüllt einem diese Kuppelshow geradezu ins Bewusstsein. Leider geschieht das bislang kaum. Das muss sich dringend ändern. Wer die Vorstellung von Ehe den „Erziehern“ Fernsehen und Gesellschaft überlässt, braucht sich jedenfalls über nichts mehr wundern.

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