Kommentar: Teilsieg gegen Kinderhandel

Von Stefan Rehder
Stefan Rehder
Foto: DT | Stefan Rehder.

Zu viele Menschen glauben heute, Kinder seien eine Erfindung der Natur. Eine, die dazu da sei, die Bedürfnisse von Erwachsenen zu befriedigen. In der Regel solche, die natürlich und in sich gut sind. Wie etwa die, Liebe adressieren und selbst empfangen zu können. Von den widernatürlichen, die es furchtbarerweise auch gibt und die immer nach einem Arzt – in vielen Fällen auch nach einem Richter rufen – einmal abgesehen. In Wirklichkeit ist eine solche Annahme jedoch ein Irrglaube, oder – wenn man dieses Paradoxon akzeptieren will – auch eine säkulare Häresie. Denn in Wirklichkeit verhält es sich genau umgekehrt: Eltern sind dazu da, die natürlichen und in sich guten Bedürfnisse von Kindern zu befriedigen – Punkt. Denn Kinder sind kein Eigentum, sondern wie es der Titel eines Erziehungsklassikers der tschechischen Psychologin Jirina Prekop ebenso schön wie treffend formuliert, „Gäste, die nach dem Weg fragen“. Eine solche Sicht auf Kinder setzt jedoch voraus, dass Eltern Kinder als „Gabe“ und nicht als „Habe“ betrachten, die man sich „zulegt“ oder die man mittels Verträgen mit Reproduktionskliniken und Leihmütter-Agenturen bestellen, fertigen lassen und erwerben kann.

Es stimmt schon: Man kann trefflich darüber streiten, ob eine Eltern-Kind-Beziehung dadurch bereits notwendig vergiftet wird, oder ob nicht auch Erwachsene, die so zu Kindern kommen, diese nicht doch selbstlos lieben und er- und aufziehen können, zumal auch die natürliche Zeugung selbstverständlich keine Gewähr für selbstlose Elternliebe ist, wie (Kinder-)Psychologen zu berichten wissen. Worüber man aber nicht streiten kann, ist, ob die gesellschaftliche Akzeptanz von Reproduktionsmedizin und Leihmutterschaft den Blick von Gesellschaften auf Kinder nicht zu deren Lasten verändert. Denn wo Kinder nicht mehr bloß „empfangen“, sondern „gemacht“ und sogar „gehandelt“ werden können, dort können sie unmöglich denselben Stellenwert besitzen wie ihre „Macher“ und „Händler“. Mit seinem Urteil hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den Kampf gegen Leihmutterschaft und den Kinderhandel nicht beendet. Wohl aber haben die Straßburger Richter jenen, die beides unter Rückgriff auf die Menschenrechte erstreiten wollen, die Tür vor der Nase zugeschlagen. Recht so!

Themen & Autoren

Kirche

Synode
Synode
Synodalität als Stärkung der Kirche Premium Inhalt
Synodale Prozesse wecken derzeit sowohl Hoffnung als auch Sorgen. Doch was zeichnet den „gemeinsamen Weg“ aus? Zehn biblische Anregungen für synodale Gespräche.
20.09.2021, 19 Uhr
Martin Baranowski
Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer