Kommentar: Seriöse Biopolitik sieht anders aus

Von Stefan Rehder

Vergesslichkeit erleichtert das Leben. Zumindest das Private. Wem sich jede zugefügte Kränkung – für die, welche wir anderen zufügen, sind wir ja oft erstaunlich blind – unauslöschlich einprägte, der hätte viel zu leiden. Vergessen können ist also – im Privaten – eine Gnade, ein Privileg. Eines, um das sich schon im eigenen Interesse zu mühen lohnt. Im öffentlichen, erst recht im politischen Leben sieht das anders aus. Hier darf Vergesslichkeit mit Dummheit gleichgesetzt werden. Und die rächt sich so gut wie immer. Wer vergessen haben sollte, mit welch' unseriösen Heilungsversprechen Stammzellforscher zur Jahrtausendwende Druck auf die Politik ausübten, damit diese den Import und die Forschung mit Stammzellen genehmigt, für die menschliche Embryonen getötet werden müssen, der findet womöglich nichts dabei, dass der „Fünfte Erfahrungsbericht der Bundesregierung über die Durchführung des Stammzellgesetzes“ laut dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) zu dem Ergebnis kommt, die „Verwendung von humanen embryonalen Stammzellen“ bleibe auch in Zukunft „erforderlich“. Überprüfen lässt sich dies nicht. Denn der Bericht wird Journalisten derzeit mit der Begründung vorenthalten, er diene der Unterrichtung von Bundestag und Bundesrat. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn das BMG seinerseits Stillschweigen bewahrt hätte, anstatt eine Leseanleitung oder gar einen -ersatz zu verbreiten, dessen Richtigkeit derzeit von niemandem überprüft werden kann.

Dies wiegt umso schwerer, als die „Zentrale Ethik-Kommission für Stammzellforschung“, welche die Anträge begutachtet, mit denen Wissenschaftler die aus menschlichen Embryonen gewonnenen Stammzelllinien ordern, ausnahmslos mit „Experten“ besetzt ist, die nicht nur keine unlösbaren Probleme damit haben, dass Menschen im Frühstadium ihrer Existenz für Experimente „verbraucht“ werden, sondern die auch noch – zumindest in Teilen – zu den Nutznießern der Genehmigungen zählen. Da lohnt es, daran zu erinnern, dass weltweit noch keine einzige Krankheit mit embryonalen Stammzellen geheilt wurde.

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