Kommentar: Ein Krieg ohne Zeugen

Von Carl-H. Pierk

Auch wenn sich die internationale Gemeinschaft derzeit vor allem mit dem Konflikt zwischen Iran und Israel sowie der Situation in Syrien befasst, darf sie die Konflikte im Sudan und Südsudan nicht aus den Augen verlieren. Zu gravierend ist die humanitäre Notlage, zu akut die Gefahr, selbst das Erreichte zu verspielen. Nach der Teilung des Sudan im Juli 2011 ist noch immer unklar, zu welchem Land – Sudan oder Südsudan – bestimmte Grenzgebiete gehören sollen. Zwischen 1955 und 2005 führten die Rebellen aus dem Süden zwei Kriege um ihre Unabhängigkeit gegen den Norden. Der Konflikt verwüstete das Land, kostete Millionen Menschen das Leben und führte zu einem tiefen beiderseitigen Misstrauen zwischen dem christlich geprägten Süden und dem islamischen Norden.

Zwischen beiden Staaten bestehen seit der Unabhängigkeit des Südsudan im vergangenen Juli zahlreiche Konflikte. Besonders im grenznahen Bundesstaat Blauer Nil und in dem zwischen beiden Ländern umstrittenen Grenzgebiet Abyei kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen, Viehdiebstähle eingeschlossen. Aus diesen Regionen sind inzwischen Tausende in Nachbarländer geflohen und suchen im Südsudan und Äthiopien Zuflucht. Der Südsudan ist mit dem Flüchtlingsstrom jedoch völlig überlastet. Es steht zu befürchten, dass sich die humanitäre Krise zu einer Katastrophe – ähnlich wie in Somalia – ausweitet.

Inzwischen wächst die Gefahr einer Invasion der Nord-Armee. Hochgerüstet von Russland und China demonstriert das Regime in Karthoum militärische Stärke und missachtet jegliches internationales Recht. So bombardierten Kampfflugzeuge das Flüchtlingslager Yida im Südsudan. Auch humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung blockiert der Sudan. Die sudanesischen Behörden wollen ohne lästige Augenzeugen Krieg führen. Das Regime macht sich der Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig. Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden bereits dem Präsidenten Omar al-Baschir vorgeworfen.

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