Kommentar: Absurde Vorstellung

Von Stefan Rehder
Stefan Rehder
Foto: DT | Stefan Rehder.

Der Arzt „soll und darf nichts anderes thun, als Leben erhalten; ob es ein Glück oder ein Unglück sey, ob es Wert habe oder nicht, das geht ihn nichts an. Und maßt er sich einmal an, diese Rücksicht in sein Geschäft aufzunehmen, so sind die Folgen unabsehbar und der Arzt wird der gefährlichste Mann im Staat.“ Das schrieb kein Papst oder Kirchenlehrer an katholische Gläubige, sondern der Freimaurer und Illuminat Christoph Wilhelm Hufeland, Leibarzt der Familie des Preußen-Königs Friedrich Wilhelms III., Mitglied der „Preußischen Akademie der Wissenschaften“ und „Erster Arzt“ der Berliner Charité an Seinesgleichen. Noch dazu in einer Zeit, da von „Schmerzmedizin“ noch niemand sprach und die Medizin, die es gab, an gänzlich andere Grenzen stieß als heute. Es ist nicht Schuld der Kirche, dass die „Aufklärung“, der sich Hufeland verpflichtet wusste, heute – selbst nach säkularen Maßstäben – kaum noch Licht, sondern vielmehr Schatten verbreitet. Und es wäre ungerecht, von Papst und Bischöfen zu erwarten, dass sie diese mit Enzykliken oder Hirtenbriefen vertrieben. Das vermögen nur die Laien, indem sie die dort entfaltete Lehre aufnehmen und ihr in ihrem (all-)täglichen Handeln zu entsprechen suchen. Natürlich ließe sich fragen, ob alle Hirten schon das Ihre tun, um die Laien dabei zu begleiten und zu stärken. Aber dass die Lehre der Kirche hier unklar oder missverständlich wäre – die sich im Zeitalter des Internets an jedem „Hotspot“ auf jedes Endgerät laden lässt – wird niemand behaupten können.

Woran es fehlt, sind letztlich die Männer und Frauen, die ihr genügen wollen. Was die Laien jedoch sehr wohl von den Amtsträgern erwarten dürfen, ist, dass sie – wie der Ordensobere der belgischen „Brüder der Nächstenliebe“ – für Disziplin in ihren Reihen sorgen. Denn wo „katholisch“ draufsteht, muss auch katholisch drin sein. Deshalb kann es keine Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime in katholischer Trägerschaft geben, in denen Ärzte Patienten euthanasieren. Wäre es anders, müssten die Brüder der Nächstenliebe an das Bett eines Sterbewilligen mit der Frage treten können, in welcher Reihenfolge dieser die Gaben des Hauses empfangen wolle. Erst die Sterbesakramente und dann die Giftspritze oder doch umgekehrt? Eine absurde Vorstellung? Na dann wäre das ja geklärt.

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