Kerry sondiert im Vatikan

Die päpstlichen Friedensbemühungen für Syrien gehen den internationalen „Genf 2“-Verhandlungen voraus. Von Guido Horst
Foto: dpa | US-Außenminister Kerry nahm sich viel Zeit, von Staatssekretär Parolin die vatikanische Haltung zu Syrien zu erfahren.
Foto: dpa | US-Außenminister Kerry nahm sich viel Zeit, von Staatssekretär Parolin die vatikanische Haltung zu Syrien zu erfahren.

Rom (DT) Der Vatikan steigert seine Bemühungen um den Frieden in den Krisenregionen des Mittleren Ostens und Afrikas. Am Montag hat Papst Franziskus vor dem am Vatikan akkreditierten Diplomatischen Corps zu einem „Jahr des Friedens“ aufgerufen. Ebenfalls am Montag hielt die Päpstliche Akademie der Wissenschaften einen Studientag zur Lage in Syrien ab. Und am Dienstag traf der amerikanische Außenminister John Kerry zu einem Gespräch mit dem vatikanischen Staatssekretär Pietro Parolin zusammen, das mit einer Dauer von einer Stunde und vierzig Minuten außergewöhnlich lang war.

Wie Vatikansprecher Federico Lombardi SJ noch am gleichen Tag erklärte, sei es bei der Unterredung um den Nahen Osten und in besonderer Weise mit Blick auf die Friedenskonferenz „Genf 2“ am 22. Januar um Syrien gegangen. Parolin habe die große Sorge des Vatikans über die Lage in dem Bürgerkriegs-Land formuliert und darauf hingewiesen, dass das Land eine Verhandlungslösung und dringend humanitäre Hilfen brauche. Überdies hätten Kerry, der Katholik ist, und Parolin über Afrika gesprochen, so Lombardi weiter, speziell über die Lage im Sudan. Die Unterredung sei außergewöhnlich lang und sehr bedeutend gewesen, meinte der Vatikansprecher.

Zu dem Studientag der Akademie der Wissenschaften war der Friedensnobelpreisträger und ägyptische Politiker Mohamed El Baradei nach Rom angereist. Vom Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog nahm Kardinal Jean-Louis Tauran an dem Expertengespräch teil, das hinter verschlossenen Türen stattfand. In einer abschließenden Erklärung der Akademie hieß es, die Teilnehmer hätten zu Syrien eine Abfolge mehrerer Schritte verlangt: „Sofortige Einstellung der Gewalt, Beginn des Wiederaufbaus, Dialog zwischen den Volksgruppen, Bemühungen zur Beilegung aller regionaler Konflikte und die Teilnahme aller internationalen und globalen Akteure“. Angesichts des religiösen, ethnischen und kulturellen Pluralismus in Syrien wolle der Vatikan auch den innergesellschaftlichen und interreligiösen Dialog fördern und dazu alle Glaubensrichtungen in Syrien unterstützen. Die bevorstehende „Genf 2“-Konferenz müsse die „breite Teilnahme aller Konfliktparteien innerhalb und außerhalb der Region“ zusichern, hieß es.

Lobende Worte gab es zum vorläufigen Atom-Abkommen zwischen Iran und dem Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen plus Deutschland: Das Abkommen sei „Zeichen der Hoffnung“ auf Vertrauen und Zusammenarbeit. Von einem Erfolg dieses Abkommens erwarten die Experten eine „vitale Grundlage für anhaltenden Frieden in Syrien“. Denselben Effekt hätte ein Durchbruch bei den Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte am Mittwoch in Kuwait, er hoffe, dass bei den geplanten Friedensverhandlungen in der Schweiz eine politische Lösung für den Konflikt in Syrien gefunden werde. Bislang steht noch nicht einmal fest, ob die Exil-Opposition an den Verhandlungen teilnehmen wird. Syriens Vize-Außenminister Feisal al-Mekdad drückte in einem BBC-Interview seine Hoffnung auf eine Wiederannäherung zwischen westlichen Regierungen und dem Regime von Assad aus. Al-Mekdad sagte, in den vergangenen Monaten hätten mehrere Mitarbeiter westlicher Geheimdienste in Damaskus vorgesprochen. Was sie beunruhigt, ist der Zustrom von Dschihadisten aus Europa nach Syrien.

Siehe Leitartikel Seite 2.

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