Jerusalem

Jerusalem streitet um Pilgerhotels

Der zwischen der israelischen Siedlerorganisation Ateret Cohanim und dem Griechisch-Orthodoxen Patriarchat im Jahr 2004 geschlossene Pachtvertrag ist rechtmäßig und bleibt bestehen.

Jerusalemer Altstadt
Die Klagemauer und der Felsendom in der Jerusalemer Altstadt. Foto: Oded Balilty (AP)

„Wir sehen diesen Streitfall nicht als einen bloßen Güterstreit“, erklärten die Oberhäupter der Kirchen und christlichen Gemeinschaften in Jerusalem vergangene Woche in einer gemeinsamen Stellungnahme. Ende des vergangenen Monats hatte das Bezirksgericht einen Antrag des Griechisch-Orthodoxen Patriarchats zur Wiederaufnahme des Gerichtsverfahrens abgelehnt: Der zwischen der israelischen Siedlerorganisation Ateret Cohanim und dem Griechisch-Orthodoxen Patriarchat im Jahr 2004 geschlossene Pachtvertrag ist rechtmäßig und bleibt bestehen. In dem Rechtsstreit ging es um die Nutzungsrechte für zwei ikonische Pilgerhotels in der Jerusalemer Altstadt, die sich direkt am Jaffa-Tor befinden und den Eingang in das christliche Viertel und somit den Zugang zur Grabeskirche prägen. „Bald werden hier große israelische Flaggen aus den Fenstern hängen und die christlichen Pilger begrüßen, wenn sie nach der Pandemie wiederkommen werden“, befürchtet einer der Ladeninhaber am Eingang zum christlichen Markt.

Direkter Appell an die israelische Regierung

Die Oberhäupter der Kirchen und christlichen Gemeinschaften richten daher einen direkten Appell an die israelische Regierung: „Wir fordern die israelische Regierung auf, zu handeln, um die Integrität des christlichen Erbes und Patrimoniums in der Altstadt sowie die Heiligen Stätten und die Rechte der Bewohner des christlichen Viertels von Jerusalem zu schützen.“ Und in dramatischen Worten enden sie ihre Stellungnahme mit einem Bibelzitat: „Gemeinsam mit dem Propheten Amos rufen wir: ,Das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.‘“

Das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat hat zudem angekündigt, in den kommenden Wochen Kontakt mit den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates aufzunehmen und mit weiteren Ländern, um Israel durch diplomatischen Druck dazu zu drängen, den Pachtvertrag für rechtsungültig zu erklären. Währenddessen sind die direkten Folgen des Pachtvertrags für den bisherigen Pächter des Imperial Hotels schwarz auf weiß sichtbar. Die Siedlerorganisation hat der Dajani-Familie bereits im Januar einen Brief zugesandt, in dem sie aufgefordert wurde, das Hotel zu räumen und 2,9 Millionen US-Dollar Kompensation für die Nutzung in den letzten 15 Jahren zu bezahlen. Er leidet unter der Korruption im Griechisch-Orthodoxen Patriarchat, die zum Abschluss des Pachtvertrags mit der Siedlerorganisation geführt hat.

Verhältnis von Gläubigen und Kirchenführung in der Krise

Als 2005 eine israelische Zeitung die Details des Pachtvertrags zwischen der Siedlerorganisation und dem Griechisch-Orthodoxen Patriarchat veröffentlichte, führte dies zur Absetzung des damaligen Patriarchen Irenaios. Doch das Verhältnis der Gläubigen zu ihrer Kirchenführung steckt aufgrund mehrerer Landverkäufe an israelische Siedler in einer tiefen Krise, wie man den Worten Jalal Barhams in einem Interview mit der Nachrichtenseite Al-Monitor entnehmen kann. Er ist Mitglied des Zentralrats der orthodoxen Christen in Jordanien und Palästina und kritisiert den jetzigen Patriarchen Theophilos III mit deutlichen Worten: Die Entscheidung des Bezirksgerichts habe nur den Zweck, den Ruf von Theophilos zu beschönigen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .