Im Blickpunkt: Wellenreiten mit dem Papst

Von Guido Horst
Foto: DT | Guido Horst.
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Papst Franziskus zu folgen, verlangt ein wenig die Fertigkeit eines Wasserskiläufers: auf unterschiedlichen Wellen zu reiten. Da sind zunächst die beiden großen Heckwellen, die franziskanische und die ignatianische, auf die man im Windschatten des Argentiniers abwechselnd springen muss. Am Mittwoch, bei der Morgenmesse mit Angestellten der Vatikanbank IOR, war wieder sein Papstnamenspatron Franz an der Reihe: Die Kirche sei keine Organisation, sondern eine Geschichte der Liebe. „Die Kirche ist eine Mutter“, rief Franziskus aus und wandte sich dann an die Vatikanbank-Mitarbeiter: „Alles ist notwendig, die Büros sind notwendig, ist schon recht! Doch sie sind nur notwendig bis zu einem bestimmten Punkt: als Hilfe für diese Geschichte der Liebe. Wenn aber eine Organisation den ersten Platz einnimmt, bricht die Liebe ein und die Kirche, die ärmste, wird zu einer NGO.“ „Bis zu einen bestimmten Punkt...“. Heißt das nun, dass der Papst das skandalumwitterte IOR eindampfen oder gar abschaffen will?

Der Wellenreiter in der Spur des Jesuiten-Papstes muss auch mit diesen kleineren Kräuselwellen zurechtkommen, die der kräftige Motor des Schiffleins Petri vor allem bei der fast täglichen Frühmesse des Papstes im Vatikan-Hotel „Sanctae Marthae“ sprühen lässt. Jedes Mal predigt Franziskus. Unfehlbare Verkündigung des petrinischen Lehramtes ist das nicht, diese Predigten bleiben unveröffentlicht. Und dennoch sind es päpstliche Verlautbarungen, die die Vatikanjournalisten aufsaugen wie durstige Kamele das Wasser.

Ein Grundton der ignatianischen Heckwelle war schon in der durchschlagenden Bergoglio-Rede angeklungen, mit der der Kardinal aus Buenos Aires während des Vorkonklaves die Aufmerksamkeit der Papstwähler auf sich zog: Die Kirche darf sich nicht um sich selber drehen, sie muss raus zu den Menschen, bis an die Grenzen der menschlichen Existenz. In seinem Schreiben an die Bischöfe Argentiniens Mitte April hat Franziskus diese Hauptwelle seines Pontifikats dann als Papst „offiziell“ gemacht: „Eine Kirche, die nicht aus sich selbst herausgeht, erkrankt früher oder später im Klima der abgestandenen Luft des Zimmers, in dem sie eingeschlossen ist“, schreibt Franziskus. Und wieder beklagt er den Narzissmus in Theologie und Kirche, „der zur geistlichen Weltlichkeit und zum ausgefeilten Klerikalismus führt“ und es nicht gestatte, „die süße und tröstende Freude bei der Evangelisierung zu empfinden“. Entweltlichung hat das sein Vorgänger genannt. Vielleicht wird diese Forderung zur Grundmelodie des Bergoglio-Pontifikats. Franziskus und Ignatius geben sich die Hand.

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