Im Blickpunkt: Spielraum für die neue Garde

Der Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichts München (Seite 5) bestätigt, was zu befürchten war: Es gibt konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der ehemalige Kanzler der Katholischen Universität Eichstätt, Gottfried von der Heydte, Gelder in sechsstelliger Höhe abzweigte und nach eigenem Gutdünken verwendete. Dass sich von der Heydte nicht privat bereicherte, spielte für die Richterin keine Rolle. Entscheidend war, dass die Fakultäten, denen die Gelder zugestanden hätten, geprellt wurden.

Dem Vernehmen nach sind in Eichstätt Studiengelder zweckentfremdet worden. Das schrie schon um der Glaubwürdigkeit des Hauses gegenüber potenziellen Sponsoren nach jenem Befreiungsschlag, der auch aus den Reihen der Professoren gefordert wurde. Als die Katholische Universität im Sommersemester 2007 erstmals Studienbeiträge in Höhe von 500 Euro erhob, sahen die Bestimmungen vor, das Geld den Studierenden zugute kommen zu lassen. Als Mitfinanzierer der Hochschulen sollten Studenten durch möglichst gute Bedingungen umworben werden.

Als der Großkanzler der Universität, Bischof Gregor Hanke, seinen Verwaltungschef im Juni suspendierte, muss er sich über den hohen Abschreckungswert im Klaren gewesen sein, der von finanziellen Unregelmäßigkeiten in katholischen Einrichtungen ausgeht. Gerade Studiengebühren gehen in Deutschland auf Kosten einer Institution, deren Förderung sich die katholische Kirche auf die Fahnen geschrieben hat: der Familie. Für Eltern und junge Paare bedeuten die Beiträge in der Regel eine empfindliche Belastung, denn die Stipendienvergabe ist im Vergleich zu angelsächsischen Hochschulen, an denen Studiengebühren Tradition haben, schwach ausgeprägt.

Der Vergleich, auf den sich Universität und Kanzler geeinigt haben, ist ein Versuch, einen ruhigeren Kurs einzuschlagen. Die Universität verzichtet darauf, gegen einen leitenden Mitarbeiter, der seine Aufgabe nach Gutsherrenart anpackte, ein rechtskräftiges Urteil zu erwirken und lässt diesen mit einem Verweis und vollen Bezügen in den Sonderurlaub ziehen nach dem Motto: Je weniger Zeit die neue Hochschulleitung in Altlasten investieren muss, desto besser. Langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen können die Beteiligten aus dem Weg gehen. Der Vergleich erspart auch den bayerischen Bischöfen, die neben Hanke Verantwortung für die Universität tragen, zermürbende öffentliche Debatten über das Hochschuldrama im Altmühltal. Jetzt fehlt zum Neuanfang vor allem die Reform der Stiftung und ein schlüssiges Konzept. Regina Einig

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