Im Blickpunkt: Schmutz und Unrat in der Kirche

Die Kirche in der Missbrauchsfalle. Wenn es um die Aufdeckung von vertuschten oder nicht verfolgten Verfehlungen von Klerikern an Kindern und Jugendlichen geht, so wie derzeit in Deutschland und Irland, stehen die kirchlichen Oberen mit dem Rücken an der Wand. Das gilt für die deutschen Jesuiten, das gilt für die Bischöfe und auch für den Papst. Der jüngste Besuch der gesamten irischen Bischofskonferenz im Vatikan hat es gezeigt. Benedikt XVI. selber hatte sich eingeschaltet. Er hat klare Worte zu den Missbrauchsfällen gefunden, schonungslose Aufklärung verlangt, einen eigenen Brief an die Kirche in Irland angekündigt. Aber bei einer Pressekonferenz nach den Gesprächen in Rom saßen einige Vertreter der irischen Bischöfe, darunter ihr Primas, Kardinal Sean Brady, wie geduckte Mäuschen vor den Journalisten und ließen deren aggressive Fragen über sich ergehen. Und das Presseecho auf die zweitägigen Gespräche mit dem Papst zuhause, auf der Insel, waren weitgehend negativ. Von einer nicht genutzten Chance, einem Reinwaschungsversuch oder Augenwischerei war die Rede. Was kann die Kirche tun, um dem aufrichtigen Zorn, aber auch manchem medialen Kesseltreiben zu begegnen? Dazu Kardinal Brady vor Journalisten nach den Gesprächen im Vatikan: „Opfer haben uns gesagt, dass der einzige Weg, die Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen, unsere Demütigung sein wird. Das wollen wir tun.“

Rom kann in diesem Zusammenhang nicht den Kopf verlieren. Sorgfältig bereitet Papst Benedikt das Schreiben an die irischen Gläubigen vor, das den vorerst letzten Versuch darstellt, von Rom aus bei der Bewältigung der Krise zu helfen. Schnell ein paar Köpfe rollen zu lassen, ist hingegen auch keine Lösung. Benedikt XVI. hat noch über drei Rücktrittsgesuche irischer Bischöfe zu entscheiden. Aber jeder Fall will sorgfältig geprüft sein – und bevor eine Demission angenommen werden kann, ist in der Regel auch über den Nachfolger zu entscheiden. Die sorgfältige Auswahl geeigneter Kandidaten ist nun besonders wichtig. Ansonsten gilt, was Kardinal Joseph Ratzinger bei seiner Meditation im Kolosseum zum Kreuzweg 2005 und kurz vor seiner Papstwahl sagte: „Wie viel Schmutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die Ihm im Priestertum ganz zugehören sollten? Auf Deinem Acker sehen wir mehr Unkraut als Weizen. Das verschmutzte Gewand und Gesicht Deiner Kirche erschüttert uns.“ Wenn es um die Sünden in der Kirche geht, mögen „Richtlinien“ ganz nützlich sein. Doch sie ersparen niemandem die Erschütterung.

Guido Horst

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