Im Blickpunkt: Rom beweist Chur Vertrauen

Von Regina Einig

Papst Franziskus hat die Amtszeit des Churer Bischofs Vitus Huonder um zwei Jahre verlängert und damit vielen selbsternannten Propheten heimgeleuchtet, die Bischof und Bistum als Ortskirche im Dauerkrisenmodus zu verunglimpfen suchen. Die Botschaft aus Rom lautet: Der Papst vertraut Bischof Huonder und sieht im Bistum Chur keineswegs einen dramatischen Sanierungsfall. Die Entscheidung aus Rom darf durchaus auch als Anerkennung des Gottesvolks gegenüber den Funktionären verstanden werden: Man ist in Rom nicht blind für das Vertrauen und den Rückhalt, die Bischof Huonder von den Gläubigen entgegengebracht werden. Nicht jede Kritik aus Kreisen der Hauptamtlichen braucht den Nachfolger Petri sonderlich beschäftigen. Gerade Papst Franziskus, dessen Pontifikat von einschlägigen Reformern gern für die Verwirklichung eigener Kirchenträume instrumentalisiert wird, zeigt damit mehr Differenzierungsvermögen, als den Verfechtern einer holzschnittartigen Kritik lieb ist. Ihnen geht es bei der Nachfolgeregelung für das Bistum Chur keineswegs nur um die Person des Bischofs, sondern um den Kurs der gesamten Diözese und im Nebeneffekt auch um einen als allzu unbequem empfundenen Nuntius.

Bischof Huonder hat es in seiner Amtszeit immer wieder erfolgreich verstanden, öffentliche Foren für Tradition und Lehre der Kirche zu erschließen und den Gläubigen Alternativen zum kirchlichem Mainstream aufzuzeigen. Beispiel Amoris laetitia: Kein anderes deutschsprachiges Bistum hat den Bogen von den lehramtlichen Texten früherer Pontifikate zur Auslegung so konsequent im Sinne der lehramtlichen Kontinuität gezogen. Damit hat er auch Gläubigen außerhalb seines Bistums Orientierung im Sinne der Kirche vermittelt – ein rares Gut in der Schweiz. Der Vatikan ist in Chur durchaus angemessen vorgegangen: Im März lud der Apostolische Nuntius in der Schweiz Priester, Diakone und Laientheologen ein, um über die Bischofsnachfolge in Chur zu reden. Das ist kluge Symbolpolitik, die in einer dialogorientierten Kirche ihre Wirkung gar nicht verfehlen kann. Sage also niemand, der Vatikan höre nicht auf den Geist, der in den Gemeinden weht und missachte die Stimme der diözesanen Mitarbeiter. Der Nuntius hatte ausreichend Zeit, sich ein Bild von der Priesterschaft und den Hauptamtlichen zu verschaffen. Nun sieht der Vatikan keineswegs dringenden Handlungsbedarf im Bistum Chur, sondern sendet einen klaren Vertrauensbeweis. Den wenigsten Schweizer Bischöfen ist das beschieden.

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