Im Blickpunkt: Römische Baustellen

Von Guido Horst
Foto: dpa | Römische Baustellen.
Foto: dpa | Römische Baustellen.

Gegenüber der amerikanischen Nachrichtenagentur CNS hat Kardinal Wilfrid Fox Napier aus dem südafrikanischen Durban deutlich gemacht, dass im Rahmen der Neuordung der Vatikanfinanzen die „Schluckbeschwerden“ einzelner Dikasterien umso heftiger ausfallen, je größer diese sind. Konkret nannte der Kardinal die Missionskongregation „Propaganda Fide“, die – bisher – über einen eigenen Haushalt verfügte, einen umfangreichen Immobilienbesitz verwaltet und an der Spanischen Treppe in Rom in einem herrschaftlichen Palast residiert. Napier muss es wissen. Er gehört zu dem von Kardinal Reinhard Marx koordinierten Wirtschaftsrat, der aus acht Kardinälen und sieben Laien-Experten besteht und dem neu geschaffenen und von Kardinal George Pell geführten Sekretariat für die Wirtschaftsfragen des Vatikans zugeordnet ist. Doch auch in anderer Hinsicht knirscht es heftig. So habe der Päpstliche Rat für die Gesetzestexte seine Kompetenzen weit überschritten, als er die Statuten von Wirtschaftsrat und Wirtschaftssekretariat zu überprüfen hatte und stattdessen den Versuch unternahm, die von Franziskus errichtete neue Finanzstruktur der Kurie eine andere Gestalt zu geben, wie Napier ebenfalls gegenüber CNS erklärte.

Das Ringen um die Kontrolle der Finanzen ist nur ein kleiner Teil der anstehenden Kurienreform: Der gesamte Vatikan ist eine offene Baustelle und der Papst hat am Donnerstag zu Beginn des zweitägigen nicht-öffentlichen Konsistoriums vor den etwa hundertfünfzig Kardinälen gesagt, dass die Reform Zeit braucht. Es gehe darum, so Franziskus, „eine größere Einheit in der Arbeit der verschiedenen Dikasterien und Institutionen herzustellen, um eine bessere Zusammenarbeit zu erreichen, und das in der absoluten Transparenz, welche auch eine authentische Synodalität und wahre Kollegialität schafft.“ Dass sich die Kurienreform hinziehen wird, ist seit längerem bekannt. In diesem Jahr wird sie nicht abgeschlossen. Die Unruhe in Rom wird noch dadurch verstärkt, dass es eine zweite Baustelle gibt: den synodalen Prozess zu Ehe und Familie, von dem keiner weiß, wie er enden wird. Beide Felder, die Ehe- und Familienpastoral wie auch die Synodalität und Kollegialität bei der Kirchenführung, haben etwas mit Theologie zu tun. Schon das Zweite Vatikanum ist in der Frage des Verhältnisses von Papstamt und Weltepiskopat schwer ins Schlingern gekommen. Und der innerkirchliche Streit um die rechte Ehemoral ist spätestens seit „Humanae vitae“ sattsam bekannt. Franziskus hat die römische Kirchenzentrale auf offene See hinausgeführt. Und jetzt kämpft sie mit schwerem Wellengang.

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