Im Blickpunkt: Partitur der Entweltlichung

Von Stefan Meetschen

Es geht um Geld, sehr viel Geld. Insider sprechen von einer Schadenssumme in Höhe von 1, 7 Milliarden Euro. Diesen gewaltigen Batzen an Verbindlichkeiten haben die beiden slowenischen Erzbischöfe Anton Stres (Ljubljana) und Marjan Turnsek (Maribor) der katholischen Kirche ihres Landes beschert, wobei der frühere Erzbischof von Maribor, Franc Kramberger, der vor zwei Jahren zurücktrat, durchaus zum weiteren Verantwortlichenkreis gezählt werden muss. Denn was in der Erzdiözese Maribor unter dem Dach der Kirche an riskanten Finanz- und Spekulationsgeschäften durchgeführt wurde, fällt nicht nur in die Amtszeit von Turnsek, der 2011 Krambergers Nachfolger wurde oder Stres, der von 2000 bis 2009 als Weihbischof in Maribor tätig war. Wild investiert wurde schon früher. Seit Anfang der 1990er Jahre. In so ziemlich alles, was viel Geld versprach, aber schon damals mit dem kirchlichen Seelsorgeauftrag herzlich wenig zu tun hatte – in eine Brauerei, einen Telekommunikationsanbieter, in Chemie- und Bauunternehmen, in den Tourismus und in Immobilien.

Ein eigenes kirchliches Wirtschaftsimperium (gestützt auf zwei Kirchenholdings mit den Namen „Glocke eins“ und „Glocke zwei“) wollte man nach dem Ende des Kommunismus aufbauen, um auf diese Weise genug Geld für pastorale Aufgaben zu haben. Ein Flirt mit dem Mammon, der so gewaltig schiefgegangen ist, dass nicht nur das System der Diözesanfinanzen am Boden liegt; aufgrund der Verquickung mit der staatlichen NLB-Bank, die als Kreditgeber auftrat und jetzt auf den Schulden sitzt, ist auch der slowenische Staatshaushalt von der geplatzten diözesanen Spekulations-Blase mitbetroffen. Was in der früheren jugoslawischen Teilrepublik, die seit 2004 Mitglied der EU ist, verständlicherweise nicht gerade eine Kirchen-Euphorie auslöst. Von einem „moralischen Zusammenbruch der Kirche von historischer Dimension“ sprechen die slowenischen Medien und attestieren der Kirche ihres Landes einen „moralischen Bankrott“.

Damit es dazu nicht kommt, hat sich nun der Vatikan energisch in das nationale Debakel eingeschaltet. Stres und Turnsek sind auf Druck des Papstes von ihren Ämtern zurückgetreten. Andrej Glavan, Bischof von Novo Mesto, wurde zum Apostolischen Administrator für die Erzdiözese Ljubljana ernannt, der Bischof von Celje, Stanislav Lipovsek, übernimmt die gleiche Funktion in Maribor. Die Glocken müssen jetzt anders schlagen. Nach der von Benedikt und Franziskus vorgegebenen Partitur der Entweltlichung.

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