Im Blickpunkt: Internationale Ideenbörse

Auch beim VI. Weltfamilientreffen wird der Kreis der deutschsprachigen Teilnehmer übersichtlich bleiben. Immerhin entsendet die Deutsche Bischofskonferenz einen Vertreter. Die bescheidene Resonanz liegt nicht allein an den für Familien mit Kindern belastenden äußeren Umständen. Sicher: Eine kostspielige Fernreise während des Schuljahrs scheidet für viele Eltern schulpflichtiger Kinder definitiv aus. Doch auch die Vorgängerveranstaltung in Valencia im Juli 2006 zog an den deutschen Bistümern weitgehend unbemerkt vorüber – trotz zahlreicher Billigfliegerangeboten an die spanische Ostküste, sommerlicher Reisezeit und dem Werbewert des ersten Besuchs Benedikts XVI. auf der iberischen Halbinsel. Die Parallele zu den Weltjugendtagen ist unübersehbar: Die deutschen Katholiken fingen später Feuer als die Gläubigen in Italien, Polen oder Frankreich. Danach entpuppten sich viele echte und vermeintliche Hürden als durchaus überwindbar. Die beachtliche Delegation deutscher Weltjugendtagsteilnehmer in Sydney sprach für sich.

Manche Gemeinde hat seitdem entdeckt, dass sie mit Kreativität und etwas Zeit jungen Gemeindemitgliedern eine intensivere Beteiligung am Pfarrleben ermöglichen kann. Junge Mütter sind oft schon für zwei Stunden Kinderbetreuung dankbar, um Messen oder Vorträge in der Pfarrei besuchen zu können. Bewährt haben sich auch liturgische Frühschichten oder gelegentliche Eucharistiefeiern am späteren Abend. Dass selbst in den geprägten Zeiten des Kirchenjahrs so selten junge Gläubige in Werktagsmessen anzutreffen sind, liegt nicht zuletzt daran, dass jobbende Studierende und Vollzeit-Berufstätige die hierzulande üblichen Gottesdienstzeiten nur ausnahmsweise mit ihren Verpflichtungen vereinbaren können. Wie in den Vorjahren sind es auch in Mexiko die geistlichen Bewegungen, die das katholische Familientreffen als internationale Ideenbörse und Instrument der Seelsorge gezielt fördern. Im Idealfall bewirkt diese Familienpastoral einen Schulterschluss mit Bischöfen und Pfarreien mit Blick auf eine bessere Familien- und Bildungspolitik. Gelungen ist dies der katholischen Kirche in Spanien. Im Gastgeberland des V. Weltfamilientreffens hat sich das politische Blatt seit 2006 zwar noch nicht gewendet, aber die Stimme der Kirche ist als Korrektiv nicht mehr aus dem gesellschaftspolitischen Diskurs wegzudenken. Keine Institution auf der iberischen Halbinsel setzt sich profilierter für die Rechte von Eltern und Erziehern und den Schutz des Lebens ein als die katholische Kirche – und für Mexiko gilt das Gleiche. Warum also das Licht unter den Scheffel stellen? Regina Einig

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