Im Blickpunkt: Eine verpasste Gelegenheit

Von Regina Einig

Die Kirche, das Geld und kein Ende des Tunnels in Sicht: Auch die Verleihung des Katholischen Medienpreises in Bonn durchbrach die Endlosschleife nicht, in der sich die öffentliche Debatte in Deutschland seit Wochen unerbittlich dreht. Die Veranstaltung war mehr als enttäuschend. Sie geriet zur offenen Provokation. Lara Katharina Fritzsche, eine der beiden Preisträgerinnen, ließ das Publikum wissen, sie spende ihr Preisgeld von 5 000 Euro dem „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“, um ein Zeichen gegen „den christlichen Fundamentalismus“ zu setzen. Dem Bündnis gehören unter anderem der Lesben- und Schwulenverband, der Humanistische Verband Deutschlands und der Verbund von Beratungsstellen pro familia an.

Kirchensteuerzahler, denen die Ziele des im Sommer 2013 gegründeten Bündnisses bekannt sind – rezeptfreie Vergabe der „Pille danach“, uneingeschränkter Zugang zum legalen Schwangerschaftsabbruch und die Streichung des Paragrafen 218 aus dem Strafgesetzbuch – reagieren befremdet: Warum fließen kirchliche Gelder auf dem Umweg über eine Preisverleihung der katholischen Bischöfe einer Gruppe zu, die sich als Gegenbewegung zum Berliner „Marsch für das Leben“ gegründet hat und das christliche Menschenbild ablehnt?

Preise können Leuchttürme sein. Die Verleihung des Katholischen Medienpreises war in diesem Jahr ein Wasserstandsanzeiger. Während immer mehr Katholiken aus der Kirche austreten oder der Sonntagsmesse fernbleiben und immer weniger Jugendliche Kontakt zur Kirche haben, verpassen die deutschen Bischöfe eine goldene Gelegenheit, vor Medienschaffenden für ihre Botschaft zu werben. Diese Erfahrung prägt das Klima der Kirche in Deutschland seit langem. Wer aus der katholischen Kirche austritt, braucht nicht ins Leere fallen. Auch auf medialem Weg kann man verlorenen Schafen nachgehen – wenn man nur will.

Die Bonner Veranstaltung ließ in diesem Jahr allerdings Zweifel aufkommen, inwieweit ein konstruktiver Dialog über die Wahrheit des Evangeliums zwischen deutschen Bischöfen und Medien überhaupt gewollt ist. Dem Schutz des menschlichen Lebens ist mit der Diskreditierung von Christen, die sich für das ungeborene Leben engagieren, nicht gedient. Es ist billig, sie an den Pranger zu stellen und harscher Kritik an einem abwesenden Kurienerzbischof ein Forum zu geben. Zwischen begründeter Kritik und schierer Gleichgültigkeit gegenüber dem guten Ruf des Nächsten besteht oft nur schmaler Grat.

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