Im Blickpunkt: Der Libanon und die Hoffnung

Von Guido Horst
Foto: dpa | Der syrische Bürgerkrieg sorgt auch im Nachbarland Libanon für heftige Auseinandersetzungen.
Foto: dpa | Der syrische Bürgerkrieg sorgt auch im Nachbarland Libanon für heftige Auseinandersetzungen.

Viele hofften auf eine bessere Welt, doch man wisse nicht, wann diese komme. Sicher sei, dass eine Welt fern von Gott nicht besser, sondern schlechter werde. Diese dramatischen Worte des Papstes von Mariä Himmelfahrt mögen auch davon inspiriert gewesen sein, dass sich Benedikt XVI. auf seine Reise in den Libanon vorbereitet. Das Land der Zedern ist wie eine Warte, von der aus man das Blutbad im benachbarten Syrien verfolgen kann. Flüchtlinge von dort sind schon auf libanesischem Boden. Die Reise, die ursprünglich geplant war, um das Abschlussdokument der Nahost-Sondersynode katholischen Kirchenvertretern der Region zu überreichen, entpuppt sich nun als Besuch von weltpolitischer Dimension. Der UN-Sondergesandte hat das Scheitern seiner Friedensmission bereits erklärt. Syrien versinkt in Gewalt und Elend – und niemand kann in diesen Tagen sagen, wie die Lage aussieht, wenn Papst Benedikt ins Flugzeug nach Beirut steigt. Wenn er das am 14. September überhaupt noch kann.

Der Libanon war einst die Schweiz des Orients. Christen und Muslime lebten in Frieden. Nicht nur Syrien, auch der Libanon ist heute eine Krisenzone, durchzogen von den Gräben, die den Orient zum Kampfplatz machen: radikal-islamische Extremisten, Streit zwischen Sunniten und Schiiten, der palästinensisch-israelische Dauerkonflikt. Benedikt XVI. wollte mit der Sondersynode zum Nahen Osten und mit seiner Reise in den Libanon vor allem die Christen der Region stärken, damit sie zum einen dort bleiben und zum anderen – umgeben von Hass und Gewalt – als „Salz des Friedens“ wirken können. Aber was machen schon ein paar Körnchen Salz in aufgewühlter See?

Die große Vision Pauls VI., dass eine säkulare globale Organisation wie die Vereinten Nationen und an ihrer Seite eine religiöse globale Organisation wie die katholische Kirche die Menschheit gemeinsam in Richtung Frieden und Fortschritt führen könnten – sie hat sich nicht erfüllt. Johannes Paul II. war schon realistischer in der Einschätzung der internationalen Politik, setzte aber auch auf die friedensstiftende Kraft der Religion und „erfand“ die Bewegung von Assisi. Auch diese liegt derzeit im Nahen und Mittleren Osten in Trümmern. Wenn man will, so reist Papst Benedikt mit einer etwas apokalyptischeren Vision in den Libanon. Die „bessere Welt“ ist fern. Aber der Papst ist Träger einer Hoffnung. Der Mensch kann den Frieden nicht schaffen. Aber Gott kann ihn schenken. Wenn man endlich wieder Gott um Frieden bittet.

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