Hochwasser: Schäden in Millionenhöhe

Passauer Domberg: eine Insel – Klöster akut betroffen – Noch halten Schutzvorrichtungen – Bundeswehr, THW und Polizei im Einsatz

Passau (DT/dpa/KNA/aho) Die Lage in den Hochwassergebieten im Süden und Osten Deutschlands hat sich weiter verschärft. Auch in Österreich und Tschechien sorgen die Fluten für Ausnahmezustände. Bei den Überschwemmungen nach starkem Dauerregen kamen im In- und Ausland bereits mehrere Menschen ums Leben. Überall sind viele hundert Helfer dabei, Sandsäcke zum Schutz gegen die Fluten aufzuschichten. Tausende Menschen mussten sich in Sicherheit bringen; ganze Ortschaften wurden evakuiert. Im thüringischen Serbitz brach ein Damm; in Kolbermoor bei Rosenheim drohte der Damm zu brechen. In vielen Haushalten fiel der Strom aus. Schulen blieben am Montag geschlossen, Abiturprüfungen fielen aus.

Im bayerischen Passau überschritt die Donau am Montagmorgen den Pegelstand von 12,20 Metern, wie das Landesamt für Umwelt in Augsburg mitteilte. Damit erreichten die Fluten bereits einen höheren Stand als beim historischen Hochwasser 1954. In Sachsen wurden Dämme im Landkreis Leipzig aufgegeben, um sich auf die Rettung von Menschen zu konzentrieren. Insgesamt 1 760 Bundeswehrsoldaten helfen vor Ort. Weitere 1 800 Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) sowie 500 Bundespolizisten sind im Auftrag des Bundesinnenministeriums im Einsatz, teilte der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Stefan Paris, gestern in Berlin mit.

Das Bistum Passau rechnet mit Schäden in Millonenhöhe. Wegen des Hochwassers hat das Bischöfliche Ordinariat in Passau seit Montag geschlossen. Auch die Mitarbeiter der diözesanen Caritaszentrale konnten ihre Büros in der Altstadt nicht mehr erreichen. Der Domberg sei inzwischen eine Insel, sagte Bistumssprecher Wolfgang Duschl der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Gott sei Dank gebe es bisher keine Personenschäden. Materiell rechne das Bistum aber jetzt schon mit einer Schadenssumme im zweistelligen Millionenbereich. Das Gesamtausmaß der Katastrophe werde sich erst in den nächsten Tagen ermitteln lassen. Besonders betroffen sind Kirchen und Gebäude nahe der drei Flüsse Donau, Inn und Ilz. Kloster Niedernburg mit seinen Schulen steht vollständig unter Wasser. Die Reliquien der seligen Gisela wurden zur Sicherheit in die Sakristei gebracht. Am Inn ist das „Marienheim“ überflutet. Studenten mussten evakuiert werden. Die Caritas-Einrichtungen im „Konradinum“ sind ebenfalls überschwemmt.

In der niederbayerischen Benediktinerabtei Weltenburg an der Donau halten die neuen Wasserschutzvorrichtungen bisher stand. Ihre „Feuerprobe“ stünde ihnen aber noch bevor, sagte Abt Thomas Freihart am Sonntag der KNA. Der kritische Scheitelpunkt werde für heute erwartet. Bisher betrage die Wasserhöhe an die sieben Meter. Die Schutzanlagen für einen Wasserstand von acht Metern waren als Reaktion auf das Pfingsthochwasser 1999 angeschafft worden. Sandsackwälle seien dadurch nicht mehr nötig. Die Weltenburger Klosterkirche, erbaut zwischen 1716 und 1739, zählt zu den berühmtesten Schöpfungen der Gebrüder Asam. Abt Thomas zeigte sich zuversichtlich, dass die Schutzvorrichtungen den Wassermengen standhalten werden. Auch der Landrat des Landkreises Kehlheim, Dr. Hubert Faltermeier, zeigt sich vertraut auf den Schutz: Das Kloster sei „aus unserer Sicht gut abgesichert und die Situation stabil“. Das Zisterzienserinnenkloster Sankt Marienthal ist noch nicht vom Hochwasser betroffen. „Wir sind auf der Hut, aber nicht akut bedroht“, sagte Kloster-Priorin Elisabeth Vaterodt gestern auf Anfrage. Am Samstag hätten Mitarbeiter den Hochwasserschutz ausgebaut. Zusätzlich könnten jetzt noch mobile Teile angebracht werden. Deutschlands traditionsreichste Zisterzienserinnenabtei an dem Grenzfluss Neiße wurde vor drei Jahren überschwemmt. Sie stand damals bis zu zwei Meter unter Wasser. Die Schäden beliefen sich allein für das 777 Jahre alte Kloster auf rund 13 Millionen Euro. Derzeit stehe der Pegel bei 3,30 Meter, so die Priorin. Er könne noch auf etwa 6 Meter ansteigen, ohne dass Schäden zu befürchten seien. Ein Ansteigen sei aber schnell möglich, betonte die Priorin. Vor allem, wenn der Dauerregen nicht aufhöre und Talsperren brächen. „Wir sind aber nicht ängstlich“, erklärte sie. Der Hochwasserschutz werde trotzdem erst abgebaut, wenn die Sonne wieder scheine. Der Warnlagebericht des Deutschen Wetterdienstes wurde immerhin aktuell von „extreme Unwetter“ für die entsprechenden Gebiete auf „keine Warnungen“ herabgestuft.

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