Helfer misstrauen Islamverbänden

Berlin (DT/KNA) Die islamischen Verbände in Deutschland würden sich laut einem Bericht der „Welt“ (Donnerstag) gerne stärker in der Flüchtlingshilfe engagieren. Doch ihnen stehe ein großes Hindernis im Weg, betonte Burhan Kesici, Vorsitzender des Deutschen Islamrats: „Gehen unsere Mitarbeiter direkt zu Flüchtlingsheimen, begegnet man ihnen dort teils mit purem Misstrauen. Die Helfer denken dann offenbar, unsere Freiwilligen seien Extremisten.“ Diese Umstände behinderten die Zusammenarbeit enorm. Auch Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), berichtete von einem spürbaren Misstrauen gegenüber islamischen Vereinen. Dabei seien die Einrichtungen in der Flüchtlingskrise enorm wichtig. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hatte zuletzt vor der Gefahr durch radikale Islamisten gewarnt, die in Deutschland unter Flüchtlingen neue Anhänger anwerben wollten. Salafisten träten als Wohltäter und Helfer auf, um Flüchtlinge für ihre Sache zu rekrutieren. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen hat zu diesem Thema einen Leitfaden für Mitarbeiter von Flüchtlingseinrichtungen herausgegeben mit dem Titel „Extremistischen Salafismus erkennen“. Die Broschüre soll dabei helfen, Symbole und „Markenzeichen“ salafistischer Organisationen zu erkennen und Extremisten von legitimen Flüchtlingshelfern zu unterscheiden. ZMD-Vorsitzender Mazyek zählte in der „Welt“ auf, was die rund 300 Moscheegemeinden leisteten: „In unseren Gemeinden setzen sich Seelsorger, Imame, Übersetzer und Integrationslotsen für die bedürftigen Flüchtlinge ein.“ Darüber hinaus habe sich der Zentralrat auf die Unterstützung von unbegleiteten Flüchtlingskindern spezialisiert und suche etwa Pflegefamilien für sie. Er veranstalte Informationsabende und habe auch schon eine Broschüre für männliche Flüchtlinge herausgegeben. Darin werde der hierzulande angemessene Umgang mit dem „anderen Geschlecht“ erläutert. Klar sei aber auch, was fehle. „Wir können keine großen Sprünge machen“, gesteht Mazyek ein. „Uns fehlen die Strukturen, die etwa die Diakonie oder die Caritas haben, um das Ausmaß unserer Hilfe zu vergrößern.“ Jede Gemeinde helfe vor sich hin, einen koordinierenden Überbau für alle islamischen Einrichtungen in Deutschland gebe es nicht.

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