Glosse: Wowereit zu „Wir sind Kirche“?

Von Markus Reder

Wieder eine Woche, die uns mit bemerkenswertem Erkenntnisgewinn zurücklässt: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) fordert nicht nur eine Zulassung von „viri probati“ zum Priesteramt, sondern auch eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik. Das illustriert jenen fatalen Irrtum, dem all jene aufsitzen, die meinen, unter Berufung auf das Konzil mehr Welt in die Kirche tragen zu müssen, statt kirchliche Positionen in die Welt. Weil irren aber kein Vorrecht von CDU-Politikern ist, hat sich Klaus Wowereit (SPD) gemeldet. Wahrscheinlich konnte er nicht ertragen, dass nur CDU-Leute Kirchenpolitik machen. Darum kam Berlins regierender Katholik ebenfalls mit einem theologischen Vorstoß. Ihm ging es nicht ums Zölibat (Nanu). Auch nicht um die Priesterweihe von Frauen (Aha). Wowereit will ein „gemeinsames Abendmahl“ von Katholiken und Protestanten beim Papstbesuch in Berlin (Ach Gott). Kirche wird zum Zurufbetrieb der Politik. Wo soll das hinführen?

Möglich ist dies: Aus Verärgerung darüber, dass es in Berlin kein gemeinsames Abendmahl gibt, übernimmt Wowereit den Vorsitz von „Wir sind Kirche“. Bei der Kirchenkritikertruppe freut man sich über den Zuwachs an theologischer Kompetenz und Öffentlichkeitswirksamkeit. Die acht Zölibatspolitiker der CDU laden unterdessen in Erinnerung an die guten, alten 70er Jahre zu einer Traditionalistensynode nach Würzburg ein. Das Ergebnis ist ein 800 Seiten umfassendes Reformpapier. Die Bischofskonferenz diskutiert daraufhin, ob man einen neuen Reißwolf anschaffen soll, ein Altpapierlager anmietet oder ein Institut für Dialog errichtet. Man verständigt sich schließlich darauf, dies vor dem Papstbesuch nicht mehr zu entscheiden und übergibt die Unterlagen zur Wiedervorlage an die Unkommission Altlasten.

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