Glosse: Weihnachtsspot mit Nazi-Codes?

Erinnern Sie sich noch an den Weihnachts-Werbespot von „Edeka“ im vergangenen Jahr? #heimkommen hieß er und zeigte einen alten Mann, der seinen Tod vortäuscht, um so seine Familie an einem Tisch versammeln zu können. Was haben wir damals geweint vor Rührung: Weihnachten, das Fest der Liebe und der Familie, das kam gut rüber in dem Spot. Und dieses Jahr? Waren wir zunächst wieder ganz angetan vom Edeka-Weihnachtsspot. Was nicht heißt, dass man nicht auch bei REWE, Aldi oder anderen Supermärkten einkaufen kann. Alles, was man vor der Bescherung erledigen „muss“, wird gezeigt (beispielsweise Plätzchen backen und das Haus schmücken) und gesanglich erläutert. Dann kommt die Wende. Die Werbespot-Protagonisten erkennen, dass es viel wichtiger ist, den Kindern Zeit zu schenken. Weshalb der Spot #Zeitschenken heißt. Das Problem: Am Anfang des Spots ist ein Auto mit dem Nummernschild „MU SS 420“ zu sehen. Die Extremismusexpertin Sabine Bamberger-Stemmann sieht darin, wie sie dem „manager magazin“ gesagt hat, „gängige Codes der rechtsextremen Szene“. SS plus Hitlers Geburtstag. Es sei „nicht vertretbar, das in einem Werbespot zu nutzen“. Zumal der Spot „eine heile Welt“ vermittle und „Werte“ transportiere, die „auch für die Neue Rechte“ stünden. Sei die „Nutzung der Codes nicht Absicht“, zeige sich „darin doch ein tiefstes Unverständnis der deutschen Historie“. Wie schrieb Henryk M. Broder einmal: „Je länger das Dritte Reich tot ist, umso stärker wird der Widerstand gegen Hitler und die Seinen.“ Stefan Meetschen

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