Glosse: Rubelreine Demokraten

Von Andreas Wodok

Den Reichen, so hört man, geht’s auch nicht mehr so gut. Die einen sehen ihr geheimes Konto plötzlich auf einer Steuer-CD veröffentlicht, die anderen fürchten, dass ihnen der Trend zu höheren Steuern das Leben in der undankbaren Heimat endgültig verleidet. Also flüchten sie ins Ausland, denn in Nachbars Garten – das weiß jeder – ist das Gras grüner. Gérard Depardieu zum Beispiel ist von Frankreich nach Saransk in der russischen Republik Mordowien gezogen, und wohnt jetzt angeblich in der „Straße der Demokratie“. Diese Adresse hat Symbolkraft, denn Demokratie ist in Putinland gerade en vogue. Ex-Bundeskanzler Schröder bezeichnet seinen Duzfreund Wladimir sogar als „lupenreinen Demokraten“ und arbeitet deshalb ohne Gewissensbisse als Vorstandschef der Nordstream AG, einem Tochterunternehmen von Gazprom. Der Energieversorger wiederum ist ein Staatsunternehmen und wird vom Oberdemokraten Putin gern strategisch eingesetzt, zum Beispiel, um die renitente Ukraine durch gesalzene Gaspreise und willkürliche Lieferstopps zur Raison zu bringen. Das alles ist Politik, doch um Politik, ja mei, um Politik geht’s halt nicht, sagt zumindest Kaiser Franz. Der hat jüngst bei Gazprom angeheuert und soll das Image des Unternehmens aufpolieren. „Ich bin hier als Sportler“, betont der 67-Jährige, der nun als „Gazprom-Botschafter“ für sportliche Großereignisse in Russland wirbt. Ob das ein Treffer wird? Man weiß es nicht, denn zu Treffern hat der Kaiser ein ambivalentes Verhältnis. Einerseits hat er als Libero in 424 Bundesligaspielen nur 44 Tore geschossen und rangiert damit in der ewigen Torschützenliste unter ferner liefen. Andererseits hält er mit seinen vier Eigentoren immer noch Platz drei.

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