Glosse: Kirche in Rekordzeit

Von Stefan Meetschen

Mag sich der westliche Lebensstil in Polen auch weiter ausbreiten, gigantische Shopping-Malls selbst in kleinere Städte hingestampft werden – in mancher Hinsicht schlagen die Kirchenglocken in der Heimat Johannes Pauls II. doch noch anders als im Westen. So wie Wojtyla zu Kardinalszeiten in Krakau trotz staatlichen Verbots Kirchen bauen ließ, so entstehen auch heute noch jede Menge neue Kirchenbauten, die architektonisch ansprechend gestaltet sind. Modern und bodenständig – bezahlt von den Spenden der Gläubigen. Vor allem aber geräumig, denn wenn man bedenkt, dass drei bis fünf Messen in einer Pfarrkirche sonntags durchaus üblich sind und die Gläubigen während der Messen auch in Scharen zu den Beichtstühlen eilen, dann ahnt man: Eher wird in Polen eine Disko in eine Kapelle umfunktioniert als andersherum. Für westlich-säkularisierte Beobachter eine ganz neue Glaubenserfahrung. Doch wie das so ist: zufrieden ist man nie. Auch nicht als Priester. Neue Herausforderungen, neue Rekorde sind nötig. Und einen solchen hat die Gemeinde der Maximilian-Kolbe-Kirche in Skarszewy bei Danzig jetzt vermutlich aufgestellt. Unter Leitung ihres Pfarrers Dariusz Leman bauten die fleißigen Gläubigen eine neue, zwölf Meter lange und zehn Meter breite Kirche. Inklusive 27 Meter Turm. In nur 23 Stunden und 36 Minuten. Wahrscheinlich die Weltrekordszeit im Kirchenbau! Wir verneigen uns vor soviel Tempo und Geschick und freuen uns über jeden weiteren polnischen Missionar in Deutschland. Zur Not reicht hier auch eine Woche Bauzeit. Witamy!

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