Glosse: Keine katholische Torte

Schlechte Komödien erkennt man daran, dass darin irgendwann jemand einem anderen eine Torte ins Gesicht schleudert. Sicher, vor fast 100 Jahren, als die Bilder laufen lernten, sorgte selbst solch grober Slapstick für Erheiterung, aber heute? Auch in der Politik gilt Tortenwerfen als wenig witzig. Mehr noch: Wer die Torte abbekommt, profitiert davon. So war es bei der AfD-Politikerin Beatrix von Storch, so ist es auch bei Sahra Wagenknecht, die beim Parteitag der „Linken“ in Magdeburg Opfer einer Tortenattacke, ausgeübt von einem Linksradikalen, wurde. Im Zweifel für die Gedemütigte! So funktioniert das. Insofern muss man den Katholiken, die vergangene Woche in Leipzig zusammenkamen, „um Spaß zu haben, mal unter sich richtig fromm zu sein und über Wichtiges zu sprechen“ (taz), dankbar sein, dass keine Torte in Richtung Gäste oder Veranstalter flog. Bundespräsident Joachim Gauck bekam keine Torte ab, Bundestagspräsident Norbert Lammert ebenfalls nicht, Arbeitsministerin Andrea Nahles hat höchstens ein Stück verspeist. Doch das ist reine Spekulation. Keine katholische Torte, nirgends. Sogar der zu Grenzüberschreitungen der besonderen Art neigende Grünen-Politiker Volker Beck konnte sich auf dem Kirchen-Event so richtig wohlfühlen. Stolz postet Beck bei Facebook seine visuellen „Eindrücke“. Darunter ist unter anderem ein gemeinsames Bild mit dem Kölner Kardinal Rainer Woelki. Beide locker lächelnd nebeneinander. Toll! Aber so ist „Kirche“, wie man unter Vermeidung des Adjektivs heute so schön sagt, eben: einfach erste Sahne! Stefan Meetschen

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