Glosse: Hirnlos, kopflos zweifellos

Von Wolfgang Paulus

In den vergangenen Wochen war wieder viel vom Hirntod die Rede. Um ganz ehrlich zu sein, so richtig durchblicken wir die Diskussion nicht. Entscheidend scheint – bis dahin können wir ungelenke Philosophieamateure folgen –, ob der Hirntod tatsächlich der Tod des Menschen ist. Nur: Wie kommt man darauf, dass Hirntote nicht mehr leben? Der Blick ins Fernsehprogramm zeigt doch: Da tummeln sich viele Menschen ohne jegliche Hirnaktivität, aber die sitzen einigermaßen lebendig in irgendwelchen Shows und bekommen für ihre hirnlosen Auftritte auch noch Applaus vom Publikum. Über die Hirnleistung der Zuschauer ist wenig bekannt. Aber man muss wohl davon ausgehen, dass sich auch da kaum Denkströme messen lassen. Schwer zu sagen, warum uns in diesem Zusammenhang ausgerechnet Heiner Geißler einfällt. Vielleicht liegt es daran, dass auch seine immer wieder vorgetragene Kirchenkritik wie ein Argument gegen das Hirntod-Kriterium wirkt.

Eben erst hat er sich in „Cicero online“ erneut über die politische Bedeutungslosigkeit der katholischen Kirche ereifert. Die hat laut Geißler ihre tieferen Ursachen in der Rückständigkeit des Vatikan. Dabei wäre doch alles so einfach. Die Kirche müsste lediglich ihre Ethik und Dogmatik der Welt anpassen und schon wäre sie politisch wieder in der Erfolgsspur. Aber wie man auf die Schnelle mehrheitsfähig wird, kapieren die Jungs in Rom halt nicht. Nur Heiner Geißler. Schon interessant: Während die Kirche glaubt, dass es eine Wahrheit über Gott und den Menschen gibt, glaubt Heiner Geißler an die Mehrheit. Aber jetzt schweifen wir ab. Wie kamen wir doch gleich auf Geißler? Ach ja, wir sinnierten über Hirnaktivitäten. Kein Zweifel: Das Hintod-Kriterium muss überdacht werden.

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