Glosse: „Gott, schütze Amerika!“

Donald Trump hat American Football einmal geliebt. Jenen Sport also, der Spieler wie die Quarterback-Legende Peyton Manning hervorgebracht hat, der mit den Denver Broncos am Sonntag im 50. Super Bowl-Finale die Carolina Panthers mit 24:10 vom Feld fegte. Heute mag Trump den Sport, ohne den sich die USA genauso wenig denken lassen, wie ohne Apfelstrudel und Baseball, nicht mehr sehen. Das „ganze Spiel sei im A...“, schimpfte er vor Anhängern kürzlich in Reno. Der Grund: Nachdem 300 ehemalige Profis die National Football League (NFL) verklagt hatten, weil diese die Gefahren von Hirnschädigungen herunterspielte und nicht anerkennen wollte, dass Demenz, Gedächtnisverlust und Depressionen zum Alltag der Spieler gehörten, hatte die NFL vor einigen Jahren neue Regeln eingeführt. Die brutalsten Fouls der Spieler, die gerne mit Gladiatoren verglichen werden und die ihren Helm lange Zeit wie eine Waffe benutzten, um Gegner mit einem Lebendgewicht von bis zu 120 Kilo in den Boden zu rammen, werden jetzt härter bestraft. Doch es sind genau solche „brutalen Mit-dem-Kopf-voraus-Tackles“, die Trump so vermisst. Football sei genauso „verweichlicht, wie unser Land verweichlicht ist“, klagt Trump. Letzteres würde der Baulöwe, der nicht nur steinreich, sondern offenbar auch steingescheit ist, gern dadurch kompensieren, dass er als US-Präsident „Waterboarding“ wieder und „höllisch Schlimmeres“ zusätzlich neu einführt. Wie lange Trumps Gehirn ohne Sauerstoff auskommen musste, wissen wir nicht. Was wir wissen ist aber: Selten war die Bitte, „Gott, schütze Amerika“, dringlicher. Stefan Rehder

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