Glosse: Eine Armee im Wandel

Von Stefan Rehder

Die Bundeswehr hat ein Problem. Seit der „Aussetzung“ der Wehrpflicht ist sie auf Freiwillige angewiesen. Diese lassen sich mit Werbespots, die Kampfschwimmer, Jetpiloten und Fallschirmspringer in den Vordergrund stellen, zwar noch in ausreichender Zahl anlocken, nur bleiben sie oft nicht lang genug. Bei der 1. Panzerdivision in Hannover, wo es auch mal rauer zugeht als anderswo, haben binnen zwei Wochen bereits 14 Prozent der Freiwilligen ihren Dienst an der Waffe wieder quittiert. Auch beim Berliner Wachbataillon, wo „Dressman“-Qualitäten gefragt sind, liegt die Quote der „Fahnenflüchtigen“ bereits bei über zehn Prozent. Die Bundeswehr braucht offenbar eine neue Unternehmensphilosophie, will sie demnächst nicht ohne Soldaten dastehen. Da muss alles auf den Prüfstand. Angefangen von der Unterbringung in Mehrbettstuben, über die Verpflegung bis hin zur Mitarbeiterführung. Unbestätigten Berichten zufolge prüft das Verteidigungsministerium bereits entsprechende Konzepte mit Decknamen wie „Hotel Mama“ und „Kompanie Eden“. In ihnen werden „Mehrbettstuben“ als „geht gar nicht“ qualifiziert und stattdessen die Einrichtung von „Wohlfühl-Einzelzimmern mit integrierter Nasszelle, TV-Anschluss und Zimmerservice“ empfohlen. Das gemeinschaftliche „Wecken“ soll von „Gleitzeit-Modellen“ abgelöst werden. Sämtliche Führungskräfte müssten dringend in „gewaltfreier Kommunikation“ geschult werden, wenn die „Truppe“ im Kampf um die „besten Köpfe“ mithalten wolle, heißt es. Geprüft werden soll auch, ob das „EPA“, die Einsatzverpflegung der Soldaten, künftig nicht von „Feinkost Käfer“ geliefert werden könne. Selbst Schützengräben sollen mit „fahrbaren Minibars“, und „tragbaren Jukeboxen“ „einladender“ gestaltet werden.

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