Glosse: Die Sache mit der Unterwelt

Von Guido Horst

Wenn auf der Fahrt ins Büro alle möglichen Kontrollleuchten des Autos Alarm schlagen, ein Unfall nach dem anderen den Verkehr aufstaut, die Espressomaschine dem ermüdeten Ankömmling außer der Produktion von Unmengen von Dampf alle Dienste versagt und dazu laufend, wie von Geisterhand berührt, die Sicherung herausspringt – dann weiß man, es ist Gefahr in Verzug. Die Mächte der Finsternis... Wie ist das eigentlich? Darf man, soll man, muss man daran glauben, dass diese bösen Geister gelegentlich ganz handfest in die Geschicke der Erdenbewohner eingreifen und piesackend ihr Unwesen treiben? Vor zweitausend Jahren zumindest, als der Erlöser leibhaftig unter diesen weilte, dürfte sich die Unterwelt im Zustand höchster Mobilmachung befunden haben. Da mussten ganze Schweineherden her, um die schlimmsten Dämonen in den nächsten See zu treiben. Und da gibt es auch so etwas wie den „Feiertagsteufel“, der genau dann zuschlägt, wenn die gläubige Christenheit die Befreiung von Tod und Teufel feiert. Ostern letzten Jahres im Vatikan. Am Karfreitag das unglückliche Juden-Zitat des päpstlichen Hauspredigers, am Ostersonntag dann die missverständliche Papst-Adresse des Kardinaldekans Angelo Sodano. Und im fernen Chile hat der amtierende Kardinalstaatssekretär damals vor Journalisten auch keine gute Figur gemacht. Was auch geschah, nicht gerade wohl gesonnene Kräfte schienen ihre Hand kräftig im Spiel zu haben. Und jetzt? Das Auto, die Sicherung, die Espressomaschine? Geht das schon wieder los? Es hat etwas nicht ganz Irdisches auf sich mit diesen Hochfesten, die die katholische Christenheit Jahr für Jahr feiert. Da kann man schon ins Grübeln kommen. Aber vielleicht ist es besser, wenn man von diesen Dingen nicht allzu viel weiß.

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