Glosse: Armee der Amazonen

Dass Frauen kämpfen und planen können, wissen wir seit Kleists Drama „Penthesilea“. Die Königin der Amazonen führt ihren weiblichen Stamm regelmäßig in den Krieg und die dabei eroberten Männer werden nach kurzer Gefangennahme gnädig entlassen. Eigentlich ein interessantes Zukunfts-Modell für die Reform-bedürftige Bundeswehr, wenn da nicht das Probleme wäre, dass die Zahl von Frauen in Deutschlands Armee bei lediglich 10, 5 Prozent liegt. Nur 19 000 von 181 000 Bundeswehrsoldaten sind Frauen. Schaut man auf den Anteil des weiblichen Geschlechts bei den Spitzenrängen, fällt die Zahl noch düsterer aus: gerade mal eine Frau befindet sich unter den rund 200 Generälen – und die ist im Sanitätsbereich beschäftigt. Man ahnt: Von einer Amazonisierung der Armee ist Deutschland noch weit entfernt. Umso erfreulicher ist deshalb der Vorstoß von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die bei der Bundeswehr eine Frauenquote einführen möchte. Die Oberbefehlshaberin hat offenbar ihren Kleist gelesen und kann rechnen: Wenn kein Geld für modernere Waffen da ist, braucht es bessere Kämpfer. Sprich: Frauen. Doch wer sollen diese Auserwählten sein? Eine Kandidatin drängt sich sofort auf. Die frühere bayerische Landrätin Gabriele Pauli. Nach kurzer Politik-Pause wollte Pauli jetzt Bürgermeisterin auf der Nordsee-Insel Sylt werden. Doch bei der Stichwahl hat sie am Sonntag knapp verloren. Generälin Pauli – warum eigentlich nicht? Zumal die 57-Jährige schon früher eine gewisse Neigung zu Lack und Leder bewiesen hat. Stefan Meetschen

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18.09.2021, 19 Uhr
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