Glosse: Am Ende war das Unwort

Was haben Wörter wie „Herdprämie“, „Döner-Morde“ und „Opfer-Abo“ gemeinsam? Richtig, es sind Komposita, durch Wortzusammensetzung gebildete neue Wörter. Und: sie sind im Laufe der vergangenen Jahre ausgezeichnet worden als „Unwörter des Jahres“, weil sie „gegen das Prinzip der Menschenwürde und gegen Prinzipien der Demokratie verstoßen, weil sie einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren, weil sie euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend“ sind, wie die aus vier Sprachwissenschaftlern, einem Journalisten und einem Kultur-Repräsentanten bestehende „Unwort“-Jury angibt. Auch 2013 hat es wieder eine Wortzusammensetzung auf Platz 1 der Negativliste geschafft. Das Unwort des Jahres 2013 lautet „Sozialtourismus“, was leicht nachzuvollziehen ist, da dieses Unwort im Zuge des Europa-Wahlkampfs leider ganz frisch in vieler Politiker-Munde ist, um gegen Zuwanderer aus Osteuropa Stimmung zu machen. Wer gegen „Sozialtourismus“ wettert, diskriminiert Menschen in Not, die in Deutschland eine Zukunft suchen und verschleiert ihr Recht dazu. Die Auszeichnung ist angebracht. Erstaunliches tritt aber zutage, wenn man nach dem „Wort“ des Jahres 2013 sucht, das bereits von der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ vergeben wurde. Ziemlich weit oben, auf Platz 2, findet man unter den Wörtern, die „politische Entwicklungen, öffentliche Diskussionen und Weltgeschehen“ zusammenfassen, das Kompositum „Protz-Bischof“. Gehört ein solcher Ausdruck nicht auch zu den „Unwörtern des Jahres“? Stefan Meetschen

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