Gastkommentar: Wie im Himmel so auf Erden

Von Bruder Paulus Terwitte OFMCap
Foto: KNA | Bruder Paulus Terwitte OFMCap.
Foto: KNA | Bruder Paulus Terwitte OFMCap.

Die Österliche Bußzeit lädt zum Training ein. Denn schnell schleifen sich Verhaltensmuster ein, die Herz und Verstand beim Handeln ausschalten. Die Auferstehung Jesu Christi sprengt den Stein des Todes. Sie soll auch die steinharten Verkrustungen in unserem Denken und Fühlen aufsprengen und neue Wege des Miteinanders eröffnen.

Als erste Fastenübung: Mitgefühl üben. Die „compassio“ übte Franziskus von Assisi zuerst mit dem leidenden Schöpfersohn, dann mit der ganzen Schöpfung. Weinen mit den Weinenden, Lachen mit den Lachenden: Wer so herzlich den Menschen zugewandt lebt, wird bald auch neu erfahren, wie sich Gott den Weg bahnt zum menschlichen Herzen, und sei es das eigene. Es gibt zu viel Schlagabtausch, in der Gesellschaft bis hinein in die Familien, und zu wenig Mitgefühl. So sehr Diskussionen sinnvoll sind: Sie führen erst zu einem von beiden Kombattanten nicht vorhergesehenen Ergebnis, wenn man einige Schritte in den Schuhen des anderen gegangen ist.

Eine Zweite: Die andere Wange hinhalten. Ein Lächeln für die Verspotter, nicht sie belächeln, sondern eine Freundlichkeit üben, die schlichtweg nicht von dieser Welt ist. Wer Diskussionen in den Medien verfolgt, im Internet sich in Foren umschaut – auch in den sogenannten katholischen –, wird erschüttert von Verspottern, wie man erschüttert wird von denen, die Satire nennen, was nur Belustigung auf Kosten des Heiligen ist. Für alle eine Freundlichkeit, ein „buona sera“, wie es Papst Franziskus als erstes Wort über die Lippen brachte: Eine Wohltat, wie sie sein Namenspatron lebte, der einfach immer nur sagte: Guten Tag, liebe Leute.

Die dritte Übung: Den Ausgangspunkt des eigenen Handelns festlegen. Und zwar in Gott. Ganz nach dem Motto: Wie Gott mir, so ich dir. Das wird nicht ohne Gebet gehen, ohne die Öffnung für den Heiligen Geist, der weiter weiß als alle heiligen Schriften und Traditionen zusammen. Zur Quelle gehen, die einem einatmen lässt von der neuen Welt Gottes, in die hinein uns Jesus Christus als erster vorangegangen ist. Und zwar deswegen, weil er uns sagen kann: Es geht. Es geht, sich als Mensch vom Geist leiten zu lassen. Es geht, anders zu handeln. Und ein Mensch zu werden, der aus dem „Vater Unser“ heraus lebt, der als Maxime seines Handelns täglich übt: Wie im Himmel (!), so auf Erden. Christen sind nicht von der Welt, sind aber in der Welt; die Fastenzeit lässt uns trainieren: In einer erlösten Welt.

Der Autor ist Kapuzinermönch,

Journalist und Schriftsteller

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