Berlin

Gastkommentar: Fußtritt für leidende Frauen

Die Berliner KDFB-Vorsitzende Barbara John bediene sich des Neusprechs der Abtreibungslobby, kritisiert die Lebensrechtlerin Cornelia Kaminski. Damit befördere sie deren Ziele.
Schwangere Frau
Foto: Imago Images | Werdendes Leben gibt es genauso wenig wie werdende Frauenbundvorsitzende, meint Cornelia Kaminski.
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Wegschauen sei keine Option, meint Frau Professor John, und tut genau das. Frauen treiben nicht gerne ab, sagt sie, ohne auf den Grund hierfür zu schauen: Die Frauen wissen ganz von allein, dass es falsch ist. Eine Handlung, die das Leben des eigenen Kindes beendet, verursacht dieses gesunde Empfinden. Es braucht weder Kirche noch Abtreibungsgegner, um ihr dies klar zu machen. Das sehen die Konzilsväter, denen Frau John Irrtum vorwirft, nicht anders als die betroffenen Frauen selbst – aber auch das sieht die katholische Funktionärin nicht, genauso wenig wie die Tatsache, dass allzu oft (und das haben wir unzählige Male in unserer zwanzigjährigen Beratungsarbeit erlebt) Männer zur Abtreibung drängen. Denen soll die Kirche nun einen Freifahrtschein verpassen.

Es gibt kein werdendes Leben

Was heißt das für die Frauen, die ja, wie Frau John ebenfalls zu Recht bemerkt, an einer Abtreibung psychisch leiden? Es bedeutet: „Das geht schon klar mit der Abtreibung, Sünde ist das jedenfalls nicht. Also hab dich nicht so.“ Für die leidenden Frauen ist auch das ein Fußtritt, den Frau John übersieht.

Stattdessen redet sie entgegen allen Grundsätzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis vom „werdenden Leben“. Werdendes Leben gibt es genauso wenig wie werdende Frauenbundvorsitzende. Wer solch ein Attribut bemüht, bedient sich des Neusprechs der Abtreibungslobby und befördert damit, ob gewollt oder nicht, deren Ziele: vorgeburtliche Kindstötungen müssen Bestandteil der „reproduktiven Rechte“ von Frauen sein.

Dass dabei überdurchschnittlich viele Mädchen bereits vorgeburtlich ausgesondert werden, dass bei legalen Abtreibungen ebenso Frauen sterben wie bei illegalen, dass darüber hinaus jährlich über 40 Millionen Kinder hierbei zu Tode kommen – das alles sieht Frau John ebenfalls nicht. Vielleicht sollte sie mal wieder hinhören: Lied 489 im Gotteslob, insbesondere die dritte Strophe, bietet sich an.

Die Autorin ist Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle und arbeitet als Lehrerin. Sie ist verheiratet und Mutter dreier Kinder.

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