Gastkommentar: Ein neuer Tag für Kubas Christen?

Von Achim Bodmann

Am 25. November starb mit Fidel Castro der Mann, der Kuba Jahrzehnte geprägt hat. Unter seiner kommunistischen Regierung litten Christen phasenweise massive Verfolgung. Allerdings hat sich die Situation der kubanischen Kirche in den vergangenen Jahren spürbar verbessert.

Aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahre gehört Kuba derzeit nicht zum Kreis der 50 Länder auf dem Weltverfolgungsindex von „Open Doors“, in denen Christen weltweit am stärksten verfolgt werden. Manche kubanische Pastoren sprechen sogar von völliger Freiheit für die Kirchen. Andere weisen darauf hin, dass dies nur für „traditionelle“ kirchliche Aktivitäten wie Sonntagsgottesdienste oder Gebetstreffen gilt.

Beginnt jedoch eine Kirche, gesellschaftlich Einfluss zu nehmen, stößt sie auf Widerstand; so etwa, wenn viele Menschen für den christlichen Glauben gewonnen oder durch sozialdiakonische Initiativen erreicht werden. Dann werden Baugenehmigungen verweigert, der Empfang externer Hilfsgelder nur begrenzt gestattet oder andere behördliche Auflagen verhängt. Nach wie vor herrscht unter den Christen eine latente Furcht, gepaart mit tiefsitzendem Misstrauen. Jeder Pastor weiß: kein Gottesdienst ohne die Anwesenheit von Regierungsspitzeln.

Anfang Oktober richtete der Hurrikan Matthew im Osten Kubas starke Verwüstungen an. Die Kirchen vor Ort reagierten schnell. Unterstützt von ausländischen Hilfsorganisationen wie „Open Doors“ stellten sie den Not leidenden Menschen dringend benötigte Hilfsgüter zur Verfügung. Das missfiel der sozialistischen Regierung, die sich als Versorgerin der Bevölkerung sieht und dabei keine Konkurrenz duldet. Einige Kirchen wurden deshalb angewiesen, alle Hilfsgüter den Behörden zu übergeben. Unterdessen nimmt die Anzahl der Christen im Land beständig zu. Möglicherweise hat daran auch die zuletzt etwas positivere Haltung Castros gegenüber dem christlichen Glauben Anteil. Noch während seiner Amtszeit wurde Weihnachten wieder zu einem offiziellen Feiertag.

Das Zusammenspiel von einer behutsamen Öffnung für die christliche Gemeinschaft auf der einen Seite mit einer Fortsetzung von Überwachung und Druck auf der anderen Seite setzt sich unter der Regierung von Raúl Castro fort. Umso erstaunlicher ist die Unterstützung, die eine ganz andere Gruppe durch die Regierung erhält: In den vergangenen drei Jahren hat der Iran in Havanna ein schiitisches Kulturzentrum und eine Moschee errichtet, die offensiv den Islam propagiert. Derartige Freiheiten sind für die Christen Kubas bis auf weiteres undenkbar.

Der Autor ist Redakteur bei dem überkonfessionellen Hilfswerk „Open Doors“.

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