Es ist wie ein Völkermord

Die britische Regierung hat eine Studie veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Christenverfolgung weltweit das Ausmaß eines Völkermordes angenommen habe. Von Maximilian Lutz
Nach den Anschlägen in Sri Lanka
Foto: dpa | Die Anschläge in Sri Lanka hätten weltweit ein neues Bewusstsein für das Ausmaß der Christenverfolgung geschaffen, meint der britische Außenminister Jeremy Hunt.

Die weltweite Christenverfolgung ist von einem Ausmaß, dass sie sich mit Völkermord vergleichen lässt. Zu diesem Fazit kommt eine von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Studie. In Teilen des Nahen Ostens drohe dem Christentum eine nahezu völlige Auslöschung, da immer mehr Gläubige getötet oder zur Flucht gezwungen würden, so der anglikanische Bischof von Truro, Philip Mounstephen, der federführend an der Studie beteiligt war.

In Auftrag gegeben hatte die Studie der britische Außenminister Jeremy Hunt im vergangenen Jahr an Weihnachten – zu einer Zeit, als insbesondere das Schicksal der in Pakistan zum Tode verurteilten Christin Asia Bibi die Menschen weltweit bewegte. Bibi wurde inzwischen freigesprochen. Mit deutlichen Worten benannte Hunt den Grund, weshalb Christenverfolgung ein weiterhin grassierender Missstand sei: Der Politiker der Konservativen machte „political correctness“ dafür verantwortlich, dass die Regierungen es weltweit nicht schafften, die dramatische Lage zu verbessern. Nicht nur der Bericht von Bischof Mounstephen, sondern auch die Terroranschläge von Sri Lanka seien ein Beleg dafür und hätten viele mit einem gewaltigen Schock wachgerüttelt, so Hunt.

„Der Bericht macht sehr gut deutlich, dass es in unterschiedlichen Teilen der Erde unterschiedliche Gründe gibt, warum gerade Christen verfolgt werden, und zusammengenommen haben sich diese Gründe immer näher an uns herangepirscht“, meinte der britische Außenminister weiter. Die Studie nennt zwar zahlreiche religiöse Gruppen, die weltweit unter Verfolgung litten. Christen würden jedoch am meisten verfolgt. In Palästina machten Christen nur noch 1,5 Prozent an der Gesamtbevölkerung aus, während die Zahl der Gläubigen im Irak von 1,5 Millionen im Jahr 2013 heute auf weniger als 120 000 gefallen sei.

Von der Politik forderte Jermey Hunt nun als Reaktion auf die Erkenntnisse des Berichts, nicht davor zurückzuschrecken, offen über das Thema Christenverfolgung zu sprechen. Die Sorge sei fehl am Platz, „dass es in gewisser Weise kolonialistisch ist, über eine Religion zu reden, die mit kolonialer Macht in Verbindung gebracht wurde, anstatt über die Länder, in die wir als Besiedler einfielen“.

Durch die koloniale Vergangenheit seien Äußerungen zur Christenverfolgung zwar mit einer gewissen Schwerfälligkeit behaftet, so Hunt weiter. Christliche Missionare hätten stets eine kontroverse Rolle gespielt – daher mieden wohl einige das Thema. Andererseits habe man in einer Atmosphäre der politischen Korrektheit vergessen, dass die verfolgten Christen zu den ärmsten Menschen der Erde gehörten. „Im Nahen Osten betrug der christliche Bevölkerungsanteil einst etwa 20 Prozent – jetzt sind es nur noch fünf.“

Der 52-Jährige Hunt ist seit Juli 2018 britischer Außenminister. Noch unter David Cameron, dem Vorgänger von Theresa May im Amt des Premierministers, war er zunächst Minister für Kultur, Olympia, Medien und Sport, ehe er 2012 ins Gesundheitsressort wechselte. Der verheiratete Vater von drei Kinder war bislang kaum mit Äußerungen zu religiösen Themen aufgefallen. Er gilt jedoch als gläubiger Christ: Berichten zufolge soll er regelmäßig nach Parlamentssitzungen den Gottesdienst in der Kirche „St. Mary Undercroft“ im Palast von Westminster besuchen.

Der von der Regierung in Auftrag gegebene Bericht zeigt insbesondere, dass nicht nur die geografische Ausbreitung der Christenverfolgung massiv zugenommen habe, sondern auch die Härte der Verfolgung.

So kommt Bischof Mounstephen eben zu dem eingangs genannten Fazit: „In machen Regionen kommt das Ausmaß und die Natur der Verfolgung der internationalen Definition eines Völkermords gleich, wie sie von den Vereinten Nationen festgelegt worden ist.“ Dadurch werde das Christentum genau dort ausgelöscht, wo es am tiefsten verwurzelt sei.

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16.09.2021, 13 Uhr
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