Der Wirbelwind des Papstes

Kardinal Tarcisio Bertone – zeitgleich in Rom, auf Kuba, im Kaukasus und überall

Von Guido Horst

Während der Staatssekretär des Heiligen Vaters gerade abfliegt nach Armenien, landet gleichzeitig auf dem römischen Flughafen die Maschine, die Kardinal Tarcisio Bertone aus Kuba zurückbringt. Die beiden grüßen sich kurz, entdecken erstaunt, dass sie ja dieselben sind und eigentlich in Aserbaidschan erwartet werden, wo Bertone jetzt das Oberhaupt der Muslime des Kaukasus trifft. Zeitgleich arbeitet der Staatssekretär im Vatikan, leitet die Geschicke der Kurie, während der Papst bekanntlich schreibt und schreibt. Wieviele Ausgaben des Salesianer-Kardinals es nun wirklich gibt, darüber streiten die Beobachter. Manche meinen, Bertone haben die Gabe der Bilokation. Soll vorkommen. Die hatten auch andere. Doch Kuba, das war die Krönung der wirbelnden Reisetätigkeit, die der Staatssekretär zurzeit entfaltet. Wie in den Tagen eines wichtigen Papstbesuchs sieht es augenblicklich aus im Pressesaal des Vatikans. Auf Spanisch und Italienisch liegen die Ansprachen aus, die Bertone während seiner Kubareise gehalten hat.

Kaum war Fidel Castro in Rente gegangen, nahm Bertone das Land für die Kirche wieder in Besitz. Strahlende Begrüßung durch Fidel-Bruder Raul, herzliche Begegnung mit Scheich ul-Islam Allashukur... Tschuldigung: Das war jetzt wieder im Kaukasus.

Alle Kardinäle, die Papst Benedikt in Spitzenämter der Kurie berufen hat, kannte er aus den Jahren in der Glaubenskongregation: William Joseph Levada (Glauben), Claudio Hummes (Klerus), Ivan Dias (Mission). Zuvor waren sie dort alle einmal in Amt und Würden. Tarcisio Bertone, einst Sekretär der Kongregation, gilt von ihnen heute aber als der aktivste. Und Camerlengo der Kurie und Präsident der Vatikanbank IOR ist er inzwischen auch. Ein böser Schelm, wer glaubt, dass sich da jemand für das nächste Konklave empfiehlt.

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