Der Gastkommentar: Zeichen des Friedens setzen

Auch an Weihnachten 2009 war die Welt alles andere als friedlich. Umso wichtiger kann kurz vor dem Weltfriedenstag am 1. Januar ein Blick auf den heiligen Franz von Assisi sein. Dass man in seinem Leben und seiner Botschaft in ganz besonderer Weise einen Aufruf zum Frieden sieht, hängt weniger an großen Schriften, es ist seine Gotteserfahrung und deren Folgen, die den Ordensgründer zu einem aktuellen Friedensboten machen.

Neben dem Gebet in der zerfallenen Kapelle San Damiano, dem Ort seiner unmittelbaren Erfahrung der Begegnung mit dem gekreuzigten Christus, steht für den Umkehrprozess im Leben des Franziskus die Begegnung mit dem Aussätzigen an besonderer Stelle. Anstatt in der damals üblichen Weise den Kontakt zu meiden, gelingt es Franziskus eines Tages bei einer unverhofften Begegnung mit einem der Ausgestoßenen, über seinen Schatten zu springen. Er steigt von seinem Pferd herab, umarmt und küsst den Kranken, besucht und versorgt von dort an regelmäßig Leidende in den Leprosorien außerhalb der Stadt. Diese Grenzerfahrung ermöglicht es Franziskus, selbst Grenzen zu überschreiten. Der verwöhnte Kaufmannssohn tritt heraus aus seiner Selbstzentriertheit. Die Erfahrung der Begegnung mit dem Anderen eröffnet ihm neue Horizonte. In dieser Grundhaltung liegt bereits der Kern der franziskanischen Friedensbotschaft. Der erste Schritt dorthin liegt in der Barmherzigkeit, in der liebenden Zuwendung zum Nächsten, besonders zum fremden, andersartigen. Ein weiteres: Als sich im Jahre 1219 ein Heer von Kreuzfahrern von Italien ins Heilige Land begibt, folgt auch Franz dem Aufruf des Papstes – freilich in anderer Weise. Nicht mit Waffengewalt, sondern mit der Kraft der Liebesbotschaft des Evangeliums will Franziskus seinen Glauben verteidigen. Entgegen aller Vorhersagen gelingt es ihm, mitten durch das Kampfgeschehen hindurch ins Lager des Sultans Melek-el-Kamil zu gelangen und dort zu predigen. Das hinterlässt zwar keinen zum Christentum bekehrten Sultan, aber doch einen nachhaltigen Eindruck. Franziskus setzt ein Zeichen des Friedens inmitten einer Atmosphäre von Hass und Gewalt. Natürlich beendet diese Episode nicht das Morden des Kreuzzuges, bleibt Fußnote. Aber die Erinnerung an sie ist lebendig überall dort, wo Menschen aus dem Geist des heiligen Franziskus heraus der christlichen Friedensbotschaft Gestalt verleihen, selber zu Werkzeugen des Friedens werden.

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