Der Gastkommentar: Es muss „heilige Räume“ geben

„Sicherheit geht über alles!“, das hat mir dieser Tage ein christsozialer Bundespolitiker im Zusammenhang mit der Terrorbekämpfung gesagt. Ich habe mir dann erlaubt, ihn etwas zu korrigieren. Das Sicherheitsbedürfnis geht nicht über alles und totale Sicherheit wird es nicht geben, auch wenn manches in diesem Bereich verbessert werden kann. Grenzen sind erreicht, wenn es um das Beicht- und Seelsorgegeheimnis geht. So ist in den vergangenen Wochen bekannt geworden, dass es im Bundesinnenministerium Pläne gibt, im Zuge der Terrorbekämpfung auch Geistliche und Anwälte abzuhören. Sie sind nicht neu. Schon 1997 gab es solche Überlegungen im Rahmen der Diskussion um den Großen Lauschangriff.

Für mich gehört es zu einem demokratisch legitimierten Rechtsstaat, dass es „heilige Räume“ gibt, in die der Staat nicht eingreifen darf. Ein Blick in die Geschichte zeigt das. Im 14. Jahrhundert, so die Überlieferung, wählte die böhmische Königin Johannes Nepomuk zu ihrem Beichtvater. Die staatliche Autorität – König Wenzel IV. – wollte Nepomuk zwingen, das Beichtgeheimnis zu brechen. Als der sich weigerte, wurde er gefoltert und in die Moldau geworfen. Der Vorgang spiegelt den hohen Stellenwert, welcher der Vertraulichkeit von Beicht- und Seelsorgegesprächen zukommt.

Heute stehen in der Kirche in Deutschland die Ordensgemeinschaften in besonderer Weise für eine Seelsorge, in der den Menschen die Möglichkeit zu vertraulichem Gespräch gegeben wird. In vielen Klöstern ist täglich die Möglichkeit zur Beichte gegeben. Den Ordensfrauen und -männern werden in Seelsorge- und Beratungsgesprächen äußerst private Angelegenheiten anvertraut. Gefängnisseelsorger – unter ihnen auch viele Ordensleute – sind häufig die einzigen Ansprechpartner, denen sich Häftlinge in dem Bewusstsein absoluter Vertraulichkeit anvertrauen können.

Wo ein Mensch sich voller Vertrauen an einen anderen oder auch an Gott wendet und sein Innerstes nach außen kehrt, wo er vielleicht auch Schuld und Versagen bekennt, da muss er darauf vertrauen können, dass es ein absolutes Geheimnis bleibt. Es muss also endlich Schluss sein mit Plänen, die dieses Vertrauensverhältnis zerstören.

Lieber Herr Bundesinnenminister! Motten Sie die Pläne endlich ein, legen sie diese nicht mehr in irgendeine Schublade, wo sie einer ihrer Nachfolger wieder herausholen kann!

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