Der Gastkommentar: EKD-Synode verpasst Chance

Eine gute Wahl hat die EKD-Synode getroffen – und doch eine Chance verpasst. Fraglos ist Katrin Göring-Eckardt, Bundestagsvizepräsidentin und Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen, eine gute Wahl für das Amt des Präses der EKD-Synode. Fromm und politisch engagiert, fair und prinzipientreu – das qualifiziert die 43-jährige Thüringerin für die Leitung des Kirchenparlaments. Und auch das grün-schwarze Tandem wird rollen: Links neben Göring-Eckardt sitzt am Präsidiumstisch der früher oft als Rechtsaußen verschriene ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU). In einer evangelischen Kirche, die sich ihrer Vielfalt rühmt, muss ein solches Gespann einfach funktionieren, das es in der EKD-Synode so noch nie gab. Und trotzdem hat die Synode eine Chance verpasst. Sie hätte ein Zeichen gegen den sich zäh haltenden Eindruck der Linkslastigkeit setzen können, wenn sie Beckstein zum Präses – und eventuell Göring-Eckardt zur Vizepräses – gewählt hätte. Denn auch die Qualifikation des Franken steht außer Frage. Zudem hat der 65-Jährige inzwischen alle Ambitionen auf politische Ämter hinter sich gelassen. Das gibt ihm mehr Freiraum. Zur Erinnerung: Der SPD-Politiker Jürgen Schmude hatte 1985 zu Beginn seiner 18-jährigen Präseszeit Wert darauf gelegt, kein Regierungsamt mehr anzustreben. Doch in Würzburg wollte die linksliberale Gruppe „Offene Kirche“, zu der sich schätzungsweise rund 60 Prozent der EKD-Synodalen zählen, wohl nicht über ihren Schatten springen. Schade: Es wäre ein schönes Zeichen für Toleranz und Wertschätzung von Minderheiten gewesen. Immerhin: In das Präsidium der Synode wurde die Tübinger Jungpietistin Elisabeth Nonnenmann gewählt. Mit 81 Stimmen erzielte sie das drittbeste Ergebnis der sechs Kandidaten für die vier Beisitzerposten.

Was geschieht bei der Ratswahl? Es wird spannend zu beobachten, wie sich die Gewichte der Gruppierungen in der Synode – neben der Offenen Kirche die gemäßigt konservative Lebendige Gemeinde und die Mitte-Gruppierung Synodaler Gesprächskreis – auf die Ratswahlen Ende Oktober in Ulm auswirken. Ein Mitglied des 15-köpfigen Leitungsgremiums steht bereits fest: Die Präses gehört ihm kraft ihres Amtes an. Über den Ratsvorsitz darf weiter spekuliert werden. Erste Wahl bleibt – nicht nur wegen ihrer Medienpräsenz – die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann. Aber die Erfahrung früherer Ratswahlen zeigen, dass die Hochgehandelten meist leer ausgingen. Als mögliche Kandidaten werden auch die unierten Bischöfe Martin Hein (Kurhessen-Waldeck) und Ulrich Fischer (Baden) genannt. Hinzu kommt der Lutheraner Friedrich Weber (Braunschweig). Wichtiger als Konfessionen, Strukturfragen und politische Farbenlehren bleibt die Frage, wie die Führungsriege der EKD das Kirchenschiff geistlich in Schwung bringt. Die Gemeinden brauchen Mut zur Mission. Denn es stehen Seelen auf dem Spiel.

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