Der Gastkommentar: Ein fatales Signal aus Luxemburg

Aus Luxemburg erreicht uns dieser Tage ein fatales Signal: Im gleichen Atemzug entscheidet sich ein Parlament für die Legalisierung aktiver Sterbehilfe und die Einführung eines Rechts auf palliative Versorgung. Diese Kombination ist absurd: Wie können so gegensätzliche, sich im Wesen widersprechende Dinge wie Töten und Begleiten in einen Topf geworfen werden? Wie konnte es dazu kommen, dass hier die Palliativmedizin als „Weichspüler“ für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe missbraucht wird?

Tötung auf Verlangen und ärztlich assistierter Suizid sind in keiner Weise eine Fortführung oder Ergänzung professioneller palliativer Versorgung. Eine Gesellschaft, die das so sieht, begibt sich auf gefährliches Terrain. Sie jongliert mit den großen Worten „Selbstbestimmung“ und „würdiges Sterben“ und vergisst, dass weder das eine noch das andere eine Frage von Stunden oder Tagen, sondern von Wochen und Monaten ist.

Ein würdiger Umgang ist bereits bei der Diagnose einer unheilbaren, zum Tode führenden Krankheit gefragt. Würdig geht man mit einem Menschen um, dem man jederzeit echte Hilfe anbietet: durch umfassende Pflege, professionelle palliative Versorgung und psychosoziale Begleitung, die auch sein Umfeld einbezieht. Es gibt wirkungsvolle Maßnahmen, auch bei schwersten Krankheitssymptomen, nicht zuletzt das Abstellen von Maschinen oder das Entfernen von Magensonden. Dabei muss einerseits der Wille des Patienten klar sein, andererseits müssen Ärzte ihr Handwerk verstehen. Menschen wollen an der Hand eines anderen sterben und nicht durch die Hand eines anderen. Genau darin kommt eine, die Menschenwürde achtende Haltung zum Ausdruck.

Eine Gesellschaft, die aktive Sterbehilfe legalisiert, muss sich mit einer Vielzahl unlösbarer Fragen auseinandersetzen: Wann ist Tötung auf Verlangen oder die ärztliche Unterstützung bei einer Selbsttötung geboten? „Nur“ bei körperlichem Leid? Was ist mit seelischem Leiden? Wer legt fest, wie groß das Leiden sein muss? Wer kann objektiv feststellen, wann es unerträglich ist? Rechtlich normierte Antworten sind unmöglich und lassen nur einen Schluss zu: Aktive Sterbehilfe darf nicht zu einer juristisch legalisierten Antwort auf Not und Leid werden. Luxemburg wusste von diesem Dilemma und hat sich dennoch für das Töten entschieden. Echte Solidarität mit dem Schwachen und die Achtung seiner Menschenwürde sieht anders aus.

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