Demokratie und Menschenrechte verteidigen

Merkel und Lammert erinnern an den Beginn der NS-Diktatur vor 80 Jahren – Graumann: Alle Schüler sollen Gedenkstätten besuchen

Berlin (DT/dpa) Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert haben der Opfer des Nationalsozialismus gedacht und an den Beginn der NS-Diktatur vor 80 Jahren erinnert. Lammert rief dazu aufgerufen, die Demokratie zu verteidigen. Dass dies auch heute noch notwendig sei, zeigten „in jüngster Zeit die unglaubliche, entsetzliche NSU-Mordserie und antisemitisch motivierte Gewalttaten“, sagte Lammert am Mittwoch im voll besetzten Plenum des Bundestages. „Der Reichstag ist ein stummer Zeuge der Demontage der ersten deutschen Demokratie vor 80 Jahren.“

„Wir gedenken heute aller Opfer der verbrecherischen Ideologie des Nationalsozialismus“, sagte Lammert weiter. Die Machtergreifung durch Adolf Hitler genau vor 80 Jahren „war kein Betriebsunfall“. Dies sei weder zufällig noch zwangsläufig geschehen. Hitler war am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt worden.

Die Hauptrede in der Gedenkstunde für die Millionen Opfer des Nationalsozialismus hielt die deutsch-israelische Schriftstellerin Inge Deutschkron. Die heute 90-Jährige versteckte sich mit ihrer Mutter jahrelang in Berlin, um Deportation und Holocaust zu entgehen. Frau Deutschkron erinnerte an den Jubel der Massen, als Adolf Hitler vor 80 Jahren zum Reichskanzler ernannt wurde. Von da an habe sie als Jüdin einer Minderheit in Deutschland angehört. Sie habe damals nicht gewusst, „was eine Jüdin ist“, sagte sie in ihrem Vortrag „Zerrissenes Leben“. Bei ihr zu Hause sei dies kein Thema gewesen. Als sie den „gelben Stern“ habe tragen müssen, habe die Mehrheit der Deutschen weggeschaut. Der Stern habe zu einer „diskriminierenden Isolation“ geführt.

Der Bundestag erinnert seit 1996 an die Opfer der NS-Diktatur und die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Soldaten am 27. Januar 1945. Da der 27. Januar in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel, wurde die Gedenkstunde in die Sitzungswoche des Parlaments auf den 30. Januar verlegt.

Zum 80. Jahrestag der nationalsozialistischen Machtübernahme rief die Kanzlerin zur aktiven Teilnahme an der Politik auf. Menschlichkeit und Menschenrechte ließen sich immer nur von couragierten Menschen durchsetzen, sagte Merkel am Mittwoch bei einer Ausstellungseröffnung im Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“. Dort waren einst die Zentralen von SS und Gestapo untergebracht. Der Aufstieg Adolf Hitlers sei möglich gewesen, weil die deutschen Eliten und weite Teile der Gesellschaft daran mitwirkten, sagte Merkel. Eine Mehrheit habe sich bestenfalls gleichgültig verhalten. Merkel besuchte anschließend die Ausstellung über die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933. Die Schau zeichnet die ersten Monate der nationalsozialistischen Herrschaft nach und erinnert an 36 Bürger, die in den ersten Wochen nach der „Machtergreifung“ Opfer der Verfolgung wurden.

Um die Erinnerung an den Holocaust lebendig zu halten, sollten nach einem Vorschlag des Zentralrats der Juden alle Schüler Gedenkstätten oder Konzentrationslager besuchen. Zentralratspräsident Dieter Graumann sagte NDR Info am Mittwoch, er habe die Hoffnung, dass junge Menschen so ein Leben lang gegen die Versuchung von Ausgrenzung und Rassismus immunisiert würden. Dazu solle jeder Schüler wenigstens einmal eine Gedenkstätte oder ein Konzentrationslager besuchen.

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