Bitte lächeln!

Vatikan und Italien feiern ihre Versöhnung vor achtzig Jahren – Die Fassade zumindest stimmt

Von Guido Horst

Es gab Tage, da sah es auf dem Petersplatz aus wie im Gaza-Streifen. Vor kurzem nämlich, als Bauarbeiten die überdimensionale Weihnachtskrippe zerlegten. Pappmasché und Styrorporblöcke lagen wild verstreut herum, Eisenrohre ragten in den Himmel. Inzwischen ist alles wieder fein aufgeräumt und genau heute öffnen die Ausstellungsräume in einem Seitenarm des Kolonnadenrunds die Pforten für eine neue Schau: Achtzig Jahre Vatikanstaat, das kleinste Staatswesen der Welt feiert einen runden Geburtstag. Auch ein Empfang in der italienischen Botschaft beim Heiligen Stuhl ist vorgesehen: Die Spitzen des Vatikans sowie Staatspräsident und Regierungschef des Stiefelstaats werden sich gegenseitig gratulieren: Mit den Lateranverträgen vom Februar 1929 hatten Papst und Italien offiziell Frieden geschlossen – und der Friede hält.

Äußerlich zumindest. Von Giulio Andreotti stammt die zutreffende Bemerkung, dass in Italien in der Nachkriegszeit nie ein ausgewiesener Katholik Staatspräsident geworden ist. Der Mann muss es wissen. Er stand selbst einmal kurz vor diesem hohen Amt und wurde kurz vor der entscheidenden Wahl von Dunkelmännern und finsteren Verschwörern aus dem Kandidatensessel geschossen. Lächelnde Mienen zum Achtzigsten des päpstlichen Staats, aber es erfordert viel Diplomatie und Fingerspitzengefühl, damit das so bleibt. Wie am Sonntag, als der Kardinalstaatssekretär „auf dem Hügel“ bei Giorgio Napolitano anrufen musste. Kurienkardinal Martino hatte sich öffentlich darüber beklagt, das der Staatspräsident das Dekret nicht unterzeichnen wollte, dass Eluana Englaro das Leben gerettet hätte. Öffentliche Kritik am Präsidenten, das tut man nicht im Vatikan. Bertone hat die Wogen wieder geglättet. Spätestens beim Botschafts-Empfang soll allerseits wieder gelächelt werden.

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