Begehren oder bekehren?

Es sind die üblichen Verdächtigen, und auch die üblichen verdächtigen Ideen: Unter Berufung auf das jüngste Konzil und unter Beteuerung, keine Kirchenspaltung anzustreben, haben drei ehemalige ÖVP-Spitzenpolitiker einen Rettungsplan für die Kirche vorgelegt. Inhaltlich lehnt sich die „Laieninitiative“ an das „Kirchenvolks-Begehren“ der neunziger Jahre an, will verheiratete Priester und weibliche Diakone, laisierte Priester reaktivieren und so die „seelsorgliche Nahversorgung“ sichern.

Den forschen Ton, in dem die Bischöfe zu Schlafmützen erklärt werden, die weder die Lebenswirklichkeit der Menschen noch die Realität der Kirche zur Kenntnis nehmen und die kecke, unreflektierte Behauptung, all diese praktischen Forderungen würden weder den Glauben noch das Kirchenrecht verletzen, kennt man auch schon von „Wir sind Kirche“ und „Pfarrer-Initiative“, mit denen die Internetseite der „Laieninitiative“ verlinkt ist. So ist auch nicht schwer zu erraten, was als Nächstes gefordert oder gedroht wird.

Sicher, wenn die Kirche nicht mehr ist als ein geistlicher „Nahversorger“, ein Sakramente spendender Dienstleistungsbetrieb, in dessen Supermarkt sich Herr und Frau Kirchensteuerzahler bedienen können, dann ist der Priestermangel eine Management-Herausforderung, die man pragmatisch anpacken muss. Wäre die katholische Kirche eine Art ÖVP im spirituellen Parteienspektrum, dann müsste sie (wie die ÖVP) auf ihre Werbelinie und ihre Zeitgeistigkeit achten. Wenn aber die Kirche das pilgernde Volk Gottes ist und ihre Strukturen nur darin ihre Berechtigung finden, dann ist Vertiefung statt Verflachung gefordert, Hinhören auf Gottes Wille statt Aufbegehren gegen die Tradition, Demut statt Hochmut. Dann kann nur ein Mehr an Glauben und Gebet wieder mehr Priester schenken. sb

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