Transgender

Argentinien führt Quote für Transgender-Personen ein

Ein Prozent der Stellen im öffentlichen Dienst Argentiniens sind künftig Transgender-Personen vorbehalten, wobei es genügt, dass die Betroffenen sich selbst als transgender, transsexuell oder als Transvestit bezeichnen, wie französische und argentinische Medien berichten.

Argentinisches Parlament
Die argentinische Abgeordnetenkammer hat ein Gesetz verabschiedet, mit dem in der öffentlichen Verwaltung eine Anstellungsquote von einem Prozent für Transgender-Personen festgelegt wird. Foto: Paula Ribas (telam)

Vergangenen Freitag hat die argentinische Abgeordnetenkammer ein Gesetz verabschiedet, mit dem in der öffentlichen Verwaltung eine Anstellungsquote von einem Prozent für Transgender-Personen festgelegt wird. Wie die französische Tageszeitung Les Échos berichtet, beschleunige die argentinische Regierung „nach der Verabschiedung der Ehe für alle im Jahr 2010, des Gesetzes über die Genderidentität im Jahr 2012 und der Legalisierung der Abtreibung Ende 2020 ihre feministische und LGBTQI+-Agenda“.

Vorreiter in Lateinamerika

Bei ihrem Redebeitrag im Parlament habe sich die Abgeordnete Maria Rosa Martinez erfreut über die Entscheidung gezeigt: „Durch diese Gesetze werden wir zu Vorreitern, nicht nur in Lateinamerika, sondern auf der ganzen Welt. Frankreich hat erst sehr viel später für einige dieser Maßnahmen gestimmt“. Dem neuen Gesetz „Quota Trans“ stimmten 207 Abgeordnete zu, elf lehnten es ab und sieben enthielten sich. Mit diesem Ergebnis dürfte es auch keine Schwierigkeiten mit dem Senat geben, der den Text ebenfalls verabschieden muss.

Die Abgeordnete Mónica Macha, Vorsitzende der parlamentarischen Kommission für Frauen und Diversität sowie einer der Initiatoren des Gesetzentwurfs, erklärte: „Damit wird auf ein historisches Bedürfnis dieser Community reagiert, die systematisch aus der Familie, der Bildung, der Gesundheit, dem Zugang zu Wohnungen und Arbeit ausgegrenzt wird“.

Transpersonen bevorzugt

Das neue Gesetz könnte laut Les Échos etwa 2500 Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst des Landes Transpersonen vorbehalten. Es sehe zudem vor, die argentinischen Provinzen, die Universitäten und auch den Privatsektor zu veranlassen, diese Maßnahme ebenfalls zu übernehmen. Die Aufwendungen des Arbeitgebers bei der Anstellung von Transpersonen solle während eines Jahres steuerlich absetzbar sein, bei mittelständischen Unternehmen werde dieser Zeitraum auf zwei Jahre ausgedehnt. Zudem habe das Gesetz festgelegt, dass der argentinische Staat bei seinen Einkäufen Unternehmen bevorzugen werde, bei denen Transpersonen angestellt seien.

Antrag auf Änderung

Nach staatlichen Angaben hätten, so Les Échos weiter, 9000 Personen in Argentinien einen offiziellen Antrag auf eine Änderung ihrer Genderidentität gestellt. Weil sie oftmals diskriminiert und nach Meinungsumfragen 70 % von ihnen noch nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen würden, gingen 80 % der argentinischen Transpersonen der Prostitution nach.

Der Buenos Aires Times, der einzigen englischsprachigen Tageszeitung Argentiniens, zufolge solle die Einstellung unter der Quotenregelung nach Selbstaussage der betroffenen Transpersonen erfolgen. So stelle der Gesetzestext fest: „Jeder Transvestit, jeder Transsexuelle oder jede Transgenderperson hat das Recht auf eine anständige und produktive Beschäftigung unter gleichen und zufriedenstellenden Arbeitsbedingungen“. DT/ks

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