Arabische Christen gestärkt

Der Vatikan kann zufrieden sein. Misst man den Besuch des Papstes in Jordanien an den von ihm selbst definierten Zielen – und woran sonst sollte man ihn messen –, dann war er ein voller Erfolg. Fünf Tage vor seinem Abflug nach Amman hatte Benedikt XVI. fünf Anliegen definiert: Er wolle Impulse für den Friedensprozess setzen, die Ökumene fördern, den interreligiösen Dialog voranbringen, eine Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten der Christenheit unternehmen und die bedrängten Christen im Heiligen Land stärken und ermutigen.

Dies alles ist in Jordanien mit ausdrücklicher Unterstützung von König Abdullah II. gelungen, denn die Anliegen des Papstes kamen auch den Interessen des Königs entgegen. Ein Blick auf die Landkarte genügt, um die schwierige Lage des Hashemitischen Königreichs zu erkennen: Jordanien ist wie eine Insel des Friedens und der Ruhe, umgeben von schwierigen Nachbarn. Da ist im Süden Saudi-Arabien, wo im Gegensatz zu den geschichtsträchtigen Hashemiten die neureichen Prinzen aus dem Hause Saud regieren: unsagbar reich dank des Öls, in einer dubiosen Allianz mit Washington, den islamischen Terror in vielen Staaten finanzierend und alle anderen Glaubensbekenntnisse rigoros unterdrückend. Im Osten liegt der Irak, der schon unter Saddam Hussein ein schwieriger Nachbar war und von wo seit dem jüngsten Irak-Krieg hunderttausende Flüchtlinge kommen, die in Jordanien Zuflucht, Sicherheit und Solidarität suchen. Im Norden liegt die säkulare Diktatur Syrien, von George Bush simplifizierend zum Schurkenstaat erklärt, doch jedenfalls von einem Regime regiert, mit dem sich der Nachfahre Mohammeds auf dem jordanischen Thron nicht auf Augenhöhe begeben will. Im Westen schließlich liegt Israel, der Stachel im Fleisch der arabischen Welt, mit dem Jordanien zwar seinen Frieden gemacht, aber längst noch keinen befriedigenden Ausgleich gefunden hat.

In dieser komplexen geostrategischen Situation versucht der König, wie zuvor sein Vater Hussein, sein Land auch ohne Erdöl ökonomisch zu stabilisieren und den inneren Frieden aufrechtzuerhalten. Letzteres wird immer schwieriger, denn der amerikanische Einmarsch im Irak und die israelische Maßlosigkeit im Gaza-Krieg geben dem fundamentalistischen Islam allüberall Auftrieb.

Der Besuch des Heiligen Vaters war König Abdullah II. eine willkommene Gelegenheit, seine Vision eines toleranten Jordanien neuerlich zu bekräftigen. Der Papst und der König sind davon überzeugt, dass der Frieden im Nahen Osten eine Harmonie zwischen Christen und Muslimen voraussetzt, und beide wissen, dass es dabei – wie Papst Benedikt XVI. in Regensburg einst formuliert hatte – um „das Überleben der Menschheit“ geht. Die päpstlichen Appelle zur Religionsfreiheit dürfte der König deshalb gerne gehört haben.

Ungehindert konnte Papst Benedikt in Jordanien die Ökumene unter den Christen fördern, indem er die Konfessionen zu Einigkeit und Solidarität aufrief und ihnen eine gemeinsame Vision aufzeigte. Er konnte im öffentlichen Dialog mit dem König und mit dessen Cousin und theologischem Berater, Prinz Ghazi, auch den interreligiösen Dialog einen Schritt voranbringen.

Die Zeiten, in denen kirchliche und islamische Autoritäten sich lediglich des wechselseitigen Respekts versicherten und Höflichkeiten austauschten, sind vorbei. Der Dialog ist konkreter geworden, und damit notwendigerweise kritischer. Dies ist zweifellos eine Frucht der längst weltberühmten „Regensburger Rede“, mit der sich der Papst unwiderruflich die maximale Aufmerksamkeit der islamischen Welt gesichert hat. Benedikt XVI. weiß aber auch, dass im Orient Gesten mehr zählen als Worte. Mit seinem zweiten Moschee-Besuch – dem ersten in einem arabischen Land – ging er über seinen Vorgänger hinaus. Als Johannes Paul II. in Damaskus die Omajjaden-Moschee besuchte, stand er auf dem geweihten Boden der einstigen Johannes-Basilika, und er betete am Schrein der Reliquien Johannes des Täufers. Papst Benedikt dagegen besuchte in Istanbul 2006 und nun in Amman Moscheen, um der islamischen Welt seinen Respekt zu bezeugen.

Der Besuch des Papstes auf dem Berg Nebo – von wo aus Moses das verheißene Land sehen durfte – und an der Jordan-Stelle, wo Johannes Jesus taufte, waren die Pilgerelemente der Jordanien-Reise. Wie mit Moses der Weg Gottes mit seinem auserwählten Volk beginnt, wie mit der Taufe im Jordan Jesu öffentliches Wirken einsetzt, so begann die päpstliche Pilgerfahrt ins Heilige Land auf dem Nebo und in Bethanien. Mit allem hat der Papst nicht nur die rund 109 000 Katholiken Jordaniens gestärkt, sondern die arabischen Christen insgesamt. Sein triumphaler Jordanien-Besuch und die zeichenhafte wie wortreiche Zuwendung des Königs – mit seiner großen Autorität in der islamischen Welt – strahlen weit über die Grenzen Jordaniens hinaus. Benedikts Besuch in Jordanien hat bewiesen, dass andere als die Wege des Konfliktes und der Konfrontation zwischen Christen und Muslimen gangbar sind. Damit hat dieser Besuch auch die Interessen des Königs gestärkt, der seit dem Irak-Krieg keinen leichten Stand hat.

Der schwierigere Teil der päpstlichen Pilgerreise begann am Montag mit der Landung in Tel Aviv. In Jordanien konnten Papst und Kirche nicht nur mit der Kooperation, sondern mit dem Wohlwollen der Regierenden sowie mit einer positiven Grundhaltung weiter Teile der Bevölkerung rechnen. In Israel und Palästina ist dies weit weniger der Fall.

Themen & Autoren

Kirche