Zeichen der Zeit

Von Nacktscannern und dem Ende der menschlichen Zivilisationsgeschichte

Von Guido Horst

Als – lang, lang ist es her – Terminator II durch einen Nacktscanner schritt und seinen wahren Kern als Lulatsch aus Titan und Stahl offenbarte, da war im Grunde schon klar, dass es diese Dinger irgendwann auch in echt geben würde. Dem Jemen sei Dank steht ihre Einführung nun kurz bevor und zumindest der flugreisende Teil der Menschheit wird in Bälde die paradiesische Stufe der neuzeitlichen Kulturgenese erreicht haben. Was die sexuelle Revolution nicht geschafft hat, macht die internationale Terrorangst möglich: Der Mensch steht wieder ganz nackt da und nicht einmal ein Feigenblatt ist ihm gegönnt, um seine Blöße zu bedecken. Adam und Eva lassen grüßen. Nach Jahrtausenden des Aufstiegs und Niedergangs kehrt der kulturhistorische Kreislauf zu einem Anfang zurück. Der „homo sapiens“ steht wieder als „homo nudus“ da.

Diese – man möchte meinen endzeitliche – Unterwerfung unter das sich immer weiter ausbreitende Diktat der terroristischen Gewalt findet nun ausgerechnet kurz vor jenem 21. Dezember 2012 statt, an dem die uns bekannte Welt alten Berechnungen zufolge untergeht. Aber was heißt hier alte Berechnungen? War es nicht Deutschlands letzter katholischer Philosoph, der einem Printmedium vor kurzem Ähnliches zu bedenken gab? Viel Zeit hat die Menschheit nicht mehr, meint Robert Spaemann, die Heilsgeschichte sei ja schließlich kein Science Fiction-Film. Und da wusste Spaemann noch nicht, dass die Nacktscanner in absehbarer Zeit des Preisgabe des Intimen erzwingen und damit das Ende der menschlichen Zivilisationsgeschichte einläuten würde. Völlig übertrieben, sagen die Anhänger der Optimismus- und Fortschrittsgläubigkeit des vergangenen Jahrhunderts. Aber vielleicht verstehen sie ja die „Zeichen der Zeit“, wenn sie selbst mal durch einen Nacktscanner latschen.