Wie viel Stoff verträgt das Sommerloch?

Was bei Michelle Obama zu wenig ist, ist bei den Töchtern des Propheten plötzlich zu viel

Von Guido Horst

Sommerlochhalber fischt auch das Frühstücksfernsehen im Trüben und holt Kurioses und allzu Kurioses ans Tageslicht. Etwa zum Thema Toleranz: Was geht, was geht nicht? Amerikas First Lady in Shorts beim Verlassen des Präsidenten-Jets Air Force One. Geht! Eine Muslimin im Burkini in einer öffentlichen Badeanstalt in Paris. Geht nicht! Wobei den interkulturell weniger Erfahrenen zunächst einmal erklärt werden muss, was überhaupt ein Burkini ist. Von einem libanesischen Modeschöpfer entwickelt, verbindet dieser Badeanzug für Damen in der Nachfolge des Propheten die Wassertauglichkeit eines Bikini mit der Ganzkörperverhüllung einer Burka. Das heißt von der Trägerin des Burkini ist auch im kühlen Nass abgesehen von den Füßen nur das Gesicht zu sehen.

In Paris musste eine dermaßen Gewandete das Schwimmbad sogleich verlassen. In Verona, das in Italien liegt, dessen Einwohner bekanntlich etwas toleranter sind als die Franzosen, wurde die Muslimin nicht der Badeanstalt verwiesen, aber in ein hochnotpeinliches Gespräch mit dem Schwimmbaddirektor verwickelt. Ob denn der Stoff ihres Burkini überhaupt den Anforderungen an einen Badeanzug entspreche, wollte der Anstaltsleiter wissen – angestachelt von einigen italienischen Mammas, die bekanntlich wiederum intoleranter als französische Männer sind. Denn ihre bambini hatten sich beim Anblick der Burkini-Trägerin erschreckt. Eine Terroristin im Kampfanzug beim Unterwasserattentat? Die Muslimin kam schließlich glimpflich davon, das Ganze aber auch groß ins Fernsehen und in die Zeitungen. Sommerloch eben. Aber nochmals zurück nach Amerika. Auch da hatten sich intolerante Männer über den Shorts-Auftritt Frau Obamas erregt. Ob vielleicht ein Burkini das richtige Kleidungsstück wäre, wenn die Präsidentengattin ins Wochenende fliegt?