Wider den Fertilisationsmarkt

Eine österreichische Initiative setzt sich für ein globales Verbot der Leihmutterschaft ein. Von Gudrun Trausmuth

Leihmütter in Indien
Eine indische Leihmutter ist im neunten Monat schwanger und trägt das Kind eines Paares aus den USA aus. Das Kind als Ware – eine vorsätzliche Zumutung. Foto: dpa
Leihmütter in Indien
Eine indische Leihmutter ist im neunten Monat schwanger und trägt das Kind eines Paares aus den USA aus. Das Kind als Wa... Foto: dpa

Die 2017 in Österreich gegründete Initiative „Stoppt Leihmutterschaft“ fordert ein globales Verbot von Leihmutterschaft. Eine Pressekonferenz in Wien machte deutlich, dass es dieser Bewegung gelungen ist, Frauen völlig unterschiedlicher weltanschaulicher Provenienz in einem gemeinsamen sachlichen Anliegen zu versammeln.

Wie diffizil die Problematik sich darstellt, zeigt schon die notwendige sprachliche Aufrüstung, die Leihmutterschaft mit sich bringt: um die schwierigen Personenverhältnisse überblicken zu können, sprachen die Expertinnen unterscheidend von „Wunscheltern“ oder „auftraggebenden Eltern“, von der „Leih-, Trage- oder Mietmutter“ und von den „biologischen Eltern“, also eventuellen Ei- und Samenzellenspendern.

Die Komplexität setzt sich auf rechtlicher Ebene fort, da es international völlig unterschiedliche rechtliche Regelungen in Bezug auf Leihmutterschaft gibt: Während beispielsweise Ukraine und Indien die kommerzielle Leihmutterschaft tatsächlich erlauben, gibt es in Tschechien oder Belgien keine Regelung, sondern ein Tolerieren. In anderen Ländern wiederum, wie Deutschland, Österreich oder Frankreich, ist Leihmutterschaft verboten, was besagt, dass kein Leihmutterschaftsvertrag abgeschlossen werden darf.

Die Juristin Stefanie Merckens (Institut für Ehe und Familie der österreichischen Bischofskonferenz) betonte, dass das Verbot in der österreichischen Verfassung aber „schwach“ sei und dringend durch ein globales Verbot der Leihmutterschaft gesichert werden müsse, denn: „Leihmutterschaft bedeutet die bewusste Ausbeutung und Unterjochung von Frauen in Not, instrumentalisiert diese, steht im Widerspruch zur UN-Kinderrechtskonvention und degradiert Kinder zur Ware.“

Ein nationales Verbot der Leihmutterschaft werde fast systematisch durch ein Ausweichen ins Ausland umgangen, betonte die feministische Soziologin und Politikwissenschaftlerin Lisbeth N. Trallori und führte die evidente Kooperation zwischen österreichischen und ausländischen Fertilitätszentren ins Feld.

Eine wachsende Zahl von Leihmutterschaftsverträgen wird über nationale Grenzen und Rechtsräume hinweg abgeschlossen. Die Folge: Da Staaten die Wunscheltern beziehungsweise die auftraggebenden Eltern nicht als rechtliche Eltern anerkennen (in den meisten Staaten gilt der nun angefragte Grundsatz „mater certa“, dass also die gebärende Frau die Mutter sei), ist das Neugeborene oftmals staatenlos.

Die Psychologin Maria Eberstaller thematisierte die Problematik der Identität und sprach von einer „vorsätzlichen Zumutung“ gegenüber dem Kind, welche es bei der Adoption nicht gäbe. Als Motivation einer Leihmutterschaft sieht sie die „Suggestion eines eigenen Kindes durch Ei- und Samenzelle“. Demgegenüber gäbe es aber auch Situationen, wo das durch Leihmutterschaft erworbene Kind von der auftraggebenden Mutter als „etwas Fremdes“ empfunden werde. Eberstaller plädierte für eine Aufwertung von Adoption und Pflegschaft im Hinblick auf unerfüllten Kinderwunsch.

Die indische Public-Health-Expertin Sheela Saravanan von der Universität Heidelberg berichtete von ihren Feldforschungen in Indien: Es gäbe ein Gefälle von wohlhabenden Wunscheltern und in wirtschaftlicher Not lebenden Leihmüttern. Leihmutterschaft beute auf diese Weise sozial schwache Frauen aus, die mit Eingehen eines Vertrages auch das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper weitgehend verkauften; so könne die Leihmutter etwa weder über die Untersuchungen während der Schwangerschaft, noch über die Art der Geburt entscheiden. Die feministische Philosophin Birge Krondorfer fragte an, inwieweit eine Frau bei dem Thema Leihmutterschaft Subjekt sei, und ob sie sich selbst auch zum Objekt machen könne. Dahinter stehe die Problematik, ob angesichts bedrängender ökonomischer Verhältnisse echte Freiheit möglich sei.

Umfangreiche Rechercheerfahrung und ihr Sachbuch „Kind auf Bestellung. Ein Plädoyer für klare Grenzen“ (Hanser 2015) bringt die Journalistin und Autorin Eva-Maria Bachinger in die Thematik ein. Bei der Leihmutterschaft, wo es wenig offizielle Zahlen und wenig Transparenz gebe, komme eben „sehr viel zusammen“, so die Referentin Bachinger. Immer im Kontext der In-vitro-Fertilisation, verdichtet sich hier die ganze biopolitische und bioethische Problematik rund um Eizellenspende, Samenspende, Embryonenselektion et cetera. Es werde „alles zur Ware, was der Körper hergibt“, war sich Bachinger mit Lisbeth Trallori einig, die eine „Durchkommerzialisierung des weiblichen Körpers“ ortete. Es habe sich ein riesiger Fertilisationsmarkt entwickelt, dessen Profiteure allerdings nicht die Leihmütter, sondern primär Kinderwunschpraxen und Vermittlungsagenturen seien.

Auf der Homepage der Initiative „Stoppt Leihmutterschaft“ kann man – Alice Schwarzer tat es bereits genauso wie eine lange Reihe von Psychotherapeuten, Psychiatern, Kinderärzten und anderen – die Petition für ein globales Verbot von Leihmutterschaft durch eine Unterschrift unterstützen.

Weitere Informationen unter www.stoppt-leihmutterschaft.at