Was andere Zeitungen schreiben: Kollektive Bekehrung der Kirche: Kardinal Sodanos „Geschwätz“ und seine Bedeutung: Hetzkampagne gegen die Kirche?

„America Magazine“, die Wochenschrift der US-amerikanischen Jesuiten, erinnert die Kirche an ihre Berufung zur Heiligkeit:

Wie ein Mühlstein um unseren Hals zieht der Skandal uns immer tiefer hinab. Bei der Antwort des Gottesvolkes sollte nicht die Loyalität gegenüber dem Papst im Mittelpunkt stehen und erst recht nicht die Forderung nach seinem Rücktritt, sondern die Wiederherstellung der Integrität der Kirche und die Erneuerung des heiligmäßigen Lebens ihrer Mitglieder. Es geht um eine kollektive Bekehrung.

Im Süden der Welt herrscht Christenfeindlichkeit – Christen werden verbrannt und gekreuzigt –, und der Norden nimmt eine zunehmend antikatholische Haltung ein. Das erschreckt die Kirchenmänner, und so wundert es nicht, dass Sodano im Namen aller Benedikt versprochen hat, dass das Gottesvolk sich nicht vom „Geschwätz“ einschüchtern lassen wird. Dieses Wort mag unglücklich erscheinen, denn es kann als Unterbewertung der gegenwärtigen Probleme der Kirche interpretiert werden. Aber es wurde nicht zufällig gewählt, sondern greift einen Ausdruck auf, den Benedikt selbst am Palmsonntag gebraucht hatte, als er von dem Mut sprach, „sich nicht vom Geschwätz der vorherrschenden Meinungen einschüchtern zu lassen“.

Haben wir es mit einer Hetzkampagne zu tun? Dass sexueller Missbrauch stattgefunden hat, steht außer Frage, und die Medien haben das gute Recht, ja die Pflicht, ihn anzuprangern. Dennoch trägt die derzeitige Kontroverse bestimmte Züge einer Hetzkampagne. Auffällig ist, dass die Medien nun plötzlich einen Missbrauchsfall nach dem anderen enthüllen – aus einem halben Jahrhundert. Nicht selten werden längst bekannte Dinge jetzt wieder als Neuigkeiten präsentiert. Der Tatsache, dass die Kirche sich seinerzeit in einer ganz anderen Situation befand als heute, wird auffallend wenig Beachtung geschenkt. Auffallend ist auch das geringe Interesse am Missbrauch in anderen Bereichen der Gesellschaft, obwohl Protestanten, Sozialisten und Humanisten vergleichbare Internate hatten. Kurzum, die Medien zeigen sehr wenig Interesse am größeren Kontext.