Was andere Zeitungen schreiben: Düsterer Winter im Iran: Wachsende Intoleranz: Muslimische Welt: Kreuzweg der Puerto-Ricaner

Die katholische Tageszeitung "Avvenire" (Mailand) kommentiert die Wahlen im Iran:

Wäre Ahmadinedschad ein rationaler Aktor, dann wäre dies der Moment, um Kapital zu schlagen und aus einer Machtposition heraus ernsthafte Verhandlungen mit Amerika aufzunehmen. Aber kann ein Staatsoberhaupt, das sein ganzes Image auf radikaler Gegnerschaft zum Westen, politisches Abenteurertum und primitivsten Populismus aufgebaut hat, sich selbst und seinen Gegnern untreu werden? Für die Iraner, die vom Khatamis Frühling der Reformen enttäuscht waren, scheint der düstere Winter der Ultrakonservativen noch lange nicht beendet zu sein.

Zu sagen, dass wir uns in einer Ära der Christenverfolgung befinden, wäre eine Herabsetzung des Wortes „Verfolgung“ und der vielen Christen, die wirklich Verfolgung bis zum Tod erleiden. Wir leben jedoch in einer Ära zunehmender staatlicher Eingriffe und Regulierungen in Bezug auf das, was bisher als Privatleben galt, und wachsender Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen. Unsere Gesellschaft wird immer autoritärer, und die Kirche ist stets das erste Opfer des Autoritarismus, da sie vom Staat unabhängig ist oder sein sollte und eine vom Staat unabhängige Motivations- und Denkgrundlage besitzt.

Die Rede war ein Meisterwerk der Ungenauigkeit und Naivität. Obama sagte, er wolle „einen Neubeginn zwischen den Vereinigten Staaten und der muslimischen Welt“. Das würde bedeuten, dass die „muslimische Welt“ einen einzigen monolithischen Block darstellt – und genau das ist der Anspruch von Leuten wie bin Laden und Ahmadinedschad: alle Muslime sind eine Gemeinschaft, die „Umma“, die sich vom Rest der Menschheit abhebt und im Konflikt mit ihr steht. Obama sieht nicht, dass seine „muslimische Welt“ aus 57 Ländern mit muslimischer Mehrheit besteht und aus weiteren 60 Ländern, in denen die Muslime eine bedeutende Minderheit sind. Der Versuch, ein Fünftel der Menschheit auf der Grundlage der Religion zu „ghettoisieren“, ist eines Ideologen würdig, nicht aber des Staatsoberhauptes einer großen Demokratie.

Betroffenheit macht sich breit in diesen Tagen, in denen Tausende Puerto-Ricaner sich auf dem Kreuzweg befinden. Väter und Mütter, die bisher von geringen Löhnen lebten, sind Arbeitslosigkeit und Armut ausgesetzt. Dieser bittere Kelch lässt das demokratische Antlitz verblassen und verschärft die erratische, trostlose Abgrenzung von den anderen. Die Mittellosigkeit vieler verliert sich im Überfluß einiger weniger.