Was Zollitsch damit macht, wird sich zeigen

Freiburger Handreichung: Reaktion auf Brief der Glaubenskongregation steht aus – Erzbistum fühlt sich vom Papst ermutigt

Erzbischof em. Robert Zollitsch hat auf den Brief aus der Glaubenskongregation noch nicht selbst reagiert. Foto: dpa
Erzbischof em. Robert Zollitsch hat auf den Brief aus der Glaubenskongregation noch nicht selbst reagiert. Foto: dpa

Freiburg (DT/Re/KNA) Eine Reaktion des Apostolischen Administrators von Freiburg, Erzbischof em. Robert Zollitsch, auf die Kritik des Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, an der pastoralen Handreichung zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen steht aus. „Wie Erzbischof Robert Zollitsch mit der Post von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller umgeht, wird sich zeigen“, erklärte der Sprecher der Erzdiözese, Robert Eberle, am Dienstag auf Anfrage der Katholischen Nachrichtenagentur.

Eberle betonte, im Erzbistum Freiburg vertrauten die Menschen auf Papst Franziskus, der dazu ermutige, neue Wege zu gehen. Eberle erinnerte an eine Äußerung des Papstes vor lateinamerikanischen Ordensleuten: „Macht euch keine Gedanken, wenn dann ein Brief von der Glaubenskongregation kommt, sie hätten dies und jenes angeordnet. Macht euch keine Sorgen. Erklärt ihnen, was ihr erklären müsst, aber geht weiter. Öffnet Türen. Mir ist eine Kirche lieber, die mal einen falschen Schritt tut, als eine, die vor lauter Abgeschlossenheit krank wird.“ Zudem wies Eberle auf die Aussage des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, hin, dass Müller die Diskussion nicht beenden könne. In einem am Dienstag von dieser Zeitung veröffentlichten Brief an Zollitsch fordert Müller, der Entwurf der Freiburger Handreichung müsse zurückgenommen und überarbeitet werden. Keinesfalls dürften Wege offiziell gutgeheißen werden, die der kirchlichen Lehre entgegenständen.

Der Brief wurde vor einigen Wochen verfasst und ging in Kopie an alle deutschen Ortsbischöfe. Die Handreichung des Erzbistums sieht für wiederverheiratete Geschiedene unter bestimmten Umständen eine Zulassung zu den Sakramenten ohne vorherige Ehe-Annullierung vor. Darüber hinaus regt sie eine rituelle Feier für die zweite, zivil geschlossene Verbindung an. Das Schreiben hatte weltweit für Aufsehen gesorgt.

Zollitsch bezeichnete es als bloßen „Entwurf“, der ohne seine Kenntnis veröffentlicht worden sei. In einem Schreiben an die deutschen Bischöfe stellt er sich aber hinter die Intention der pastoralen Schreibens. Erzbischof Müller führt in seinem Brief an Zollisch aus, dass er aufgrund der großen Verunsicherung und zahlreicher Fragen, die der Freiburger Vorstoß hervorgerufen habe, Papst Franziskus über den Vorgang informiert habe. Die Freiburger Handreichung stimme in zwei Punkten nicht mit der kirchlichen Lehre überein, betont der Präfekt der Glaubenskongregation. Der erste sei die Annahme, dass wiederverheiratete Geschiedene sich nach einem Seelsorgegespräch entscheiden dürften, die Sakramente zu empfangen, und dass die Entscheidung vom Pfarrer und von der Gemeinde zu respektieren sei. Ebenso verurteilt Müller die Anregung, für eine solche Verbindung einen kirchlichen Ritus mit liturgischen Elementen abzuhalten.

Erzbischof Zollitsch befindet sich laut Eberle diese Woche in Exerzitien. Dies seien „Tage des Schweigens und des Gebetes – auch für Papst Franziskus, der die Sehnsucht nach einer erneuerten Kirche weckt“. Bei einem Gespräch zwischen Zollitsch und Franziskus Mitte Oktober war das Papier nach Angaben des Erzbischofs nicht Thema gewesen.